Nachhaltigkeit: Nach Talanx zieht sich Zurich aus Ölpipeline-Projekt zurück

Anne Hünninghaus Versicherungen

Mehr und mehr Versicherer beugen sich dem öffentlichen Druck und verpflichten sich zu eigenen Klimaschutzbestrebungen. Die Zurich verzichtet dafür aktuell auf eine Vertragsverlängerung mit einem umstrittenen kanadischen Ölförderungsvorhaben.

Der Versicherer Zurich zieht sich aus einem umstrittenen Ölförderungsprojekt der kanadischen Regierung zurück.

Der Versicherer Zurich zieht sich aus einem umstrittenen Ölförderungsprojekt der kanadischen Regierung zurück. Bild: Adobe Stock/serikbaib

Nach der Talanx verabschiedet sich nun auch die Zurich aus dem Versicherungsschutz der umstrittenen kanadischen Erdöl-Pipeline Trans Mountain. Diese verläuft von der Provinz Alberta in die westkanadische Küstenstadt Vancouver, von wo aus Erdöl unter anderem nach Asien exportiert wird. Gegen ein Erweiterungsvorhaben protestieren Aktivisten schon seit Langem, sie befürchten durch die Ölsandförderung Schäden für Klima und Umwelt sowie negative Auswirkungen auf kanadische Ureinwohner.

Dass einige deutsche Versicherer an dem Projekt beteiligt waren und sind, stieß auch hierzulande bei Organisationen wie Urgewald auf Widerstand. Die Talanx beugte sich im Mai dem öffentlichen Druck und ihren Selbstverpflichtungen und verkündete ihren Ausstieg. Nun zieht die Zurich, bislang Hauptversicherer der Pipeline, nach, wie eine Sprecherin des Projekts gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte. Der Versicherer werde den Vertrag, der im August dieses Jahrs ausläuft, nicht verlängern.

Das sagt die Zurich zu ihrem Ausstieg

Zu bestehenden oder potenziellen Kundenbeziehungen nehme man grundsätzlich keine Stellung, blockte ein Zurich-Sprecher auf procontra-Anfrage ab – um dann vielsagend auf eine Klimaschutzselbstverpflichtung zu verweisen, welche die Zurich 2019 als erster Versicherer unterschrieben habe. Der „Business Ambition for 1,5 °C Pledge“ zielt darauf ab, die durchschnittliche globale Erwärmung bis 2030 auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

„Als Teil dieser Verpflichtung führt Zurich mit Kunden und Beteiligungsunternehmen, die zu mehr als 30 Prozent Kraftwerkskohle, Ölsand und Ölschiefer einsetzen, über einen Zeitraum von zwei Jahren einen Dialog, um die Diskussion über überzeugende mittel- bis langfristige Übergangspläne zu vertiefen. Sollten ihre Pläne hinter unserem Engagement zur Bekämpfung des globalen Klimawandels zurückbleiben, beabsichtigt Zurich, diese Unternehmen nicht länger zu versichern oder in sie zu investieren“, so die Ergänzung des Sprechers. Man bekenne sich voll und ganz zu diesen Nachhaltigkeitsverpflichtungen und mache diese weiterhin zu einer Priorität für die Organisation.

Der Druck auf Versicherer wächst

Offensichtlich gab es mit dem kanadischen Kunden keine Chance auf eine Vereinbarkeit mit den eigenen Nachhaltigkeitszielen. Die Trans Mountain Pipeline ist insgesamt für eine halbe Milliarde Dollar versichert. Nach Ausscheiden von Talanx und Zurich sind die Versicherer Munich Re, Lloyd’s of London, Liberty Mutual und Chubb weiterhin an Bord.

Zuletzt haben sich immer häufiger Versicherer aus umweltschädlichen Projekten ausgeklinkt. So geriet beispielsweise die Talanx-Tochter HDI unter Druck, als bekannt wurde, dass sie jahrelang den Bau des Adani-Kohleprojekts in Australien abgesichert hat. Als Folge einer Kohle-Policy von 2019 stieg der Versicherer ebenfalls aus. Regine Richter, Verantwortliche für Kampagnen zu öffentlichen Banken bei der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald, lobte in diesem Kontext gegenüber procontra, die großen Versicherer hätten sich in den vergangenen Jahren in relativ kurzer Zeit beim Thema Kohle, vor allem Neubau, sehr positiv bewegt. Richter ergänzte aber: „Wir wünschen uns, dass die Versicherer auch die anderen fossilen Energieträger angehen. Denn die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder, der Bau neuer Infrastruktur wie Flüssiggasterminals und Gaspipelines verhindern die Erreichung der Pariser Klimaziele.“

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