MVP: „Makler sollten die Kosten selbst tragen“

Michael Fiedler MVP Digital Top News

Wie stehen Versicherer dazu, wenn Makler Verwaltungsprogramme (MVP) von Pools nutzen? Sind Marktkonzentrationen zu befürchten und was bedeutet das für die Unabhängigkeit des Maklers? Darüber sprach procontra mit Dr. Rolf Wiswesser, im Vorstand der Allianz Versicherungs-AG zuständig für Maklervertrieb.

MVP Maklerverwaltungsprogramm Rolf Wiswesser Allianz MVP: Wer trägt die Kosten

MVP vom Pool? Wie stehen Versicherer dazu? Antworten darauf gab Dr. Rolf Wiswesser, im Vorstand der Allianz Versicherungs-AG zuständig für Maklervertrieb. Bild: procontra

procontra: Viele Makler nutzen MVP, die ihnen beispielsweise von Pools zur Verfügung gestellt werden. Wie stehen Sie als Produktgeber dazu?

Dr. Rolf Wiswesser: Die Frage nach der Nutzung eines MVP hängt grundsätzlich von dem Geschäftsmodell eines Maklers ab. MVP eröffnen insbesondere für mittelgroße und kleine Makler die Möglichkeit, mit vielen Versicherern auf Grundlage einheitlicher Schnittstellen und schlanker Prozesse zusammenzuarbeiten. Je größer ein Maklerhaus ist, desto eher besteht die Möglichkeit, selbst gebaute technische Infrastruktur zu nutzen.
Als Versicherer sind wir prinzipiell offen für jedwede Zusammenarbeit. Wir unterstützen also den Makler mit individuellen Lösungen ebenso effizient wie einen Makler, der auf ein MVP zurückgreifen will. Mit Blick auf den Wettbewerb der verschiedenen Modelle verhalten wir uns neutral. Es ist allerdings in unserem Interesse und auch im Interesse der Makler, dass es hier nicht zu einer Monopolisierung kommt. Daher bieten wir unterschiedliche Wege an und kooperieren mit verschiedenen MVP beziehungsweise Pools.

procontra: Transaktionsgebundenen Gebührenmodellen bei Schnittstellen – auch zum MVP – stehen Sie ablehnend gegenüber. Warum?

Dr. Wiswesser: Wir stehen einem Modell transaktionsgebundener Gebühren grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber. Aber die Transaktionskosten sind in diesem Fall durch den Makler zu tragen. Die eben postulierte Neutralität erfordert das. Würden die Versicherer über Transaktionskosten den Aufwand für eine solche technische Infrastruktur übernehmen, wären Modelle wie der Eigenbau einer Verwaltungssoftware oder ein Pool, der seine Infrastruktur über Gebühren den Maklern zur Verfügung stellt, im Nachteil. Hier gilt der Grundsatz, dass der Makler für die Kosten seiner technischen Infrastruktur selbst aufkommen muss.

procontra: Das erfordert betriebswirtschaftliche Kompetenz. Muss die Maklerschaft da nachlegen?

Dr. Wiswesser: Makler sind selbständige Unternehmer, die wir als sehr kompetente Kaufleute erleben. Natürlich besteht in Zeiten der Digitalisierung die Herausforderung, in eine digitale Infrastruktur zu investieren. Schnellere, schlanke Prozesse und der Einsatz von digitalen Self-Services werden immer relevanter, wenn es um Datenversorgung, Änderungsprozesse, Tarifierungs- und Antragsstrecken oder auch Online-Schadenmeldungen geht. Eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema ist daher elementar wichtig. All dies fordert viele Makler jenseits ihrer eigentlichen Kernkompetenz. Auch deswegen bieten wir unseren Maklern Schulungsprogramme zum Thema Digitalisierung an. Ferner zeigt unsere Erfahrung, dass es für viele Maklerhäuser sinnvoll sein kann, sich externer Unterstützung zu bedienen, anstatt Lösungen selbst zu bauen.