MVP: „Die Kostenfrage steht nicht im Mittelpunkt“

Michael Fiedler MVP Digital

Makler, die sich ihr Maklerverwaltungsprogramm (MVP) vom Produktgeber liefern lassen, sind nur bedingt unabhängig – eine These, die durchaus Anklang in der Maklerschaft findet. Doch macht man es sich damit nicht zu leicht? procontra hakte bei Dr. Angelo O. Rohlfs nach. Er ist nicht nur VHV-Vertriebsvorstand, sondern auch bei „meinMVP“ engagiert.

MVP: Kostenfrage sollte nicht im Mittelpunkt stehen

Was sollte bei der Wahl des Maklerverwaltungsprogramms (MVP) im Mittelpunkt stehen? Dr. Angelo O. Rohlfs (VHV und meinMVP) erklärt es. Bild: VHV

Die Frage, von wem ein Makler technische Unterstützung erfährt und zum Beispiel ein Maklerverwaltungsprogramm (MVP) bekommt, ist überaus wichtig. Allianz-Vorstand Wiswesser positionierte sich dazu auf procontra und Reaktionen ließen nicht auf sich warten. Stellvertretend sei Florian Rex, Makler aus Wolfsburg, genannt, der auf Facebook kommentierte: „Klar müssen die Versicherungsmakler die Kosten selbst tragen. Wie will ich denn sonst einigermaßen unabhängig agieren können?“
Doch an dieser Stelle ist die Geschichte noch längst nicht vollständig erzählt. Zum einen wären da Pools und Verbünde. Auch sie vertreten eigene Interessen. Wie wichtig die Frage nach der Portabilität der Daten nach Ende der Zusammenarbeit ist, zeigen weitere Leserreaktionen. So schrieben Leser, dass auch das MVP des Leipziger Pools Invers nach Ende der Zusammenarbeit vom Makler weitergenutzt werden kann.

Und schließlich haben die Versicherer selbst – namentlich Gothaer, Haftpflichtkasse, Itzehoer, KS/Auxilia, Swiss Life, Volkswohl Bund und die VHV – die Brancheninitiative „meinMVP“ 2018 ins Leben gerufen. Arbeitsprozesse sollen vereinfacht und die Digitalisierung in Maklerbüros vorangetrieben werden, so Dr. Angelo Rohlfs auf procontra-Anfrage. „Insbesondere kleineren Maklerunternehmen sollen durch meinMVP die Möglichkeiten der Automatisierung eröffnet werden“, so Rohlfs weiter. Maklerverwaltungsprogramme sollten nicht nur einen Zeit-, sondern auch einen Kostenvorteil bieten, findet der VHV-Vorstand. Doch wie ist es um die Unabhängigkeit eines Maklers bestellt, der sein MVP vom Produktgeber bezieht? Allein mit diesem Argument könnte man solche Angebote ja ausschlagen. Doch insbesondere die kleineren und mittleren Maklerversicherer stecken in einem echten Dilemma: Große Versicherer könnten die technischen Anforderungen erhöhen, auf sinkende Margen setzen und so die mittleren Maklerversicherer aus dem Markt drängen.
Dass dabei insbesondere kleinere Makler „auf der Strecke“ bleiben, scheint – wenn nicht gewollt, dann mindestens billigend in Kauf genommen zu werden. Und gerade diese Makler bringen den Maklerversicherern Geschäft. Sie wollen und können nicht auf das Geschäft der „Kleinen“ verzichten. Vor diesem Hintergrund sind auch die Bemühungen von „meinMVP“ zu sehen.

MVP: Die Kostenfrage steht nicht im Mittelpunkt

Angelo Rohlfs formuliert das gegenüber procontra so: „Aus Sicht der Brancheninitiative, die hinter meinMVP steht, kann es in unseren Bestrebungen beim Thema Digitalisierung keine Frage sein, ob sich ein Makler ein bestimmtes Maklerverwaltungsprogramm leisten kann oder will. Vielmehr stehen der Mehrwert bzw. Vorteil des Programms im Vordergrund und der Antrieb, eine breite Akzeptanz für digitale Tools und Prozesse zu finden.“ Das ist auch nötig, denn vor allem aufgrund rechtlicher Vorgaben sind Verwaltungs-, Wartungs- und Pflegeaufgaben zeitintensiver geworden.

An dieser Stelle wolle „meinMVP“ ansetzen, so Rohlfs und verweist auf die tägliche Vermittlerpost. Zur Abholung der Post könne man ganz einfach den BiPRO-Datentransfer oder die Direktanbindung der angebundenen Versicherungsunternehmen nutzen.
Diese Sichtweise mag ein wenig verwundern. Man könnte sagen, die Versicherer entledigen sich ihrer Bringschuld mit dem digitalen Postkasten und schlimmstenfalls bekommt es der Makler gar nicht mit. Denn registrierte Nutzer (davon hat „meinMVP“ inzwischen 5.000) und aktive Nutzer sind nicht dasselbe.
Was aber die Punkte Zukunftsfähigkeit und Unterstützung angeht, weist „meinMVP“ durchaus Stärken auf: Seit 2018 sind über 200 neue Funktionen hinzugekommen und kostenlose Dienste wie Franke und Bornberg, Thinksurance, zeitsprung und appRIORI wurden erfolgreich integriert.

Fazit:
Abhängigkeiten bestehen (fast) immer und oft wirken sie in beide Richtungen. Makler sollten mögliche MVP-Kandidaten vor allem auf Datenportabilität, Datenqualität und Möglichkeiten der Bestandsarbeit hin abklopfen und prüfen, welche Angebote zur eigenen Arbeitsweise passen. Weil diese Prüfung der eigenen Arbeitsweise allerdings oft nicht leichtfällt und sich eine gewisse „Betriebsblindheit“ einschleichen kann, ist mitunter externe Unterstützung angebracht.

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