MVP: 4 Gründe, warum sich Makler damit schwertun

Michael Fiedler MVP Berater

Was hält Makler davon ab, ihr Maklerverwaltungsprogramm zu wechseln oder überhaupt ein MVP zu nutzen? Vier Gründe, die tief in Maklers Seele blicken lassen.

Maklerverwaltungsprogramme und ihre Schwierigkeiten

Alte Papierordner, Hängeregister, angestaubte Akten... mit MVP sollte das eigentlich der Vergangenheit angehören. Sollte eigentlich... Adobe Stock/PeskyMonkey

Kundenanschreiben per Knopfdruck, Übersicht über bestehende Verträge, Bestandsauswertungen für Vertriebsansätze, Vertragsdetails für zielgerichtete Kundenberatungen und punktgenaue Abrechnung – wie ging es eigentlich ohne Maklerverwaltungsprogramm (MVP)? Die Frage dürften einige Makler leicht beantworten können – denn noch immer nutzen viele Makler kein MVP für ihre tägliche Arbeit. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Einzelfälle, bestätigt Martin Kinadeter, Geschäftsführer vom Versicherungs-Software-Portal (VSP). Er berät seit 2008 Unternehmen bei der Auswahl und Einführung von IT und Software für die Finanzdienstleistungsbranche und beobachtet den Markt mit jährlich aktualisierten MVP-Übersichten, Studien für Beratungssoftware und Auswertungen für internationale Beratungshäuser.

Auch Andreas Grimm (Resultate Institut) kennt die Situation. „Wir haben regelmäßig mit Maklern zu tun, die ihre Kunden nach wie vor über eine mehr oder weniger gute handgestrickte Lösung verwalten. Da gibt es die klassischen Hängeregister zur Beratungsdokumentation genauso, wie die Excel-Datei mit all ihrer Fehleranfälligkeit.“

MVP ohne Zielgruppen-Selektion?

Noch häufiger sei es der Fall, so Grimm, dass Makler mit ihrem MVP nicht zuverlässig über ihre betriebswirtschaftlichen Verhältnisse Auskunft geben können. Courtageabrechnungen könnten oft nicht richtig abgewickelt werden. Kontrolle und Reklamation von Abrechnungen gegenüber Produktgebern oder Pools: Hier stehen sich Makler und MVP mitunter selbst im Weg.
Viele Makler könnten auch die Zusammensetzung ihrer Umsätze nach Sparten, Geschäftsfeldern oder Zielgruppen nicht mit ihrem MVP darstellen, so Grimm. „In dieser Situation befinden sich – zumindest in unserer Zielgruppe – locker ein Drittel der Makler“, so Grimm gegenüber procontra. Mit Zielgruppe meint Grimm jene Vermittler, die sich mittelfristig von ihrem Bestand trennen wollen. Denn Grimm berät mit seinem Resultate-Institut Makler – aber auch Pools – beim Nachfolgemanagement und weiß daher um die Bedeutung, die MVP bei der Bestandsbewertung beigemessen wird.

MVP: Bedeutung für Nachfolge

Aus dieser Praxis heraus kennt Grimm auch jene Makler, die ein bis zwei Jahre vor der Übergabe ihres Unternehmens stehen. In Solchen Fällen ist es sogar unternehmerisch nachvollziehbar, wenn von der Einführung eines (neuen) MVP Abstand genommen wird. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das in solchen Fällen oft nicht mehr sinnvoll“, gibt Grimm zu bedenken. Seiner Einschätzung nach, ist der Anteil von Maklern, die kein MVP nutzen, weniger als Entscheidung gegen ein MVP, sondern mehr als fehlende Entscheidung für ein MVP zu betrachten. In welchen vier Aspekten Grimm die Ursachen für diese fehlende Entscheidung sieht, zeigt die folgende Bilderstrecke.

„Warum sich Makler mit der Entscheidung für ein MVP schwertun“

Undurchsichtiger Markt
Fast alle Produktgeber und Pools bieten Portale, Tools oder gar MVP, die sie gerne bei ihren Maklern etablieren möchten. Es ist auf den ersten Blick bequem, die Angebote der Produktgeber zu nutzen. Bild: Adobe Stock/Stéphane Bidouze
 
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