Maklerverwaltungsprogramme (MVP): Hat „meistgenutzt“ ausgedient?

Michael Fiedler MVP Berater

Übersichtliche Kunden- und Vertragsdaten, Termine, Schadenfälle und Schriftverkehr, unabhängig von Tarif- oder Vergleichsrechnern: Das sollten Maklerverwaltungsprogramme (MVP) leisten. Wie sich der Markt um MVP entwickelt hat und warum „meistgenutzt“ in den Ranglisten ausgedient hat.

MVP: wie sich der Markt entwickelt hat

Wie Maklerverwaltungsprogramme (MVP) den ungebundenen Versicherungsvermittlern helfen. Bild: Adobe Stock/nadia_snopek

„Mehr Zeit für Beratung“ war bereits 2012 das Motto, als sich der Volkswohl Bund bereiterklärte, bei der Brancheninitiative Prozessoptimierung (BiPro) mitzumachen. Dr. Dieter Ackermann, damals Hauptabteilungsleiter Systementwicklung bei dem Versicherer sagte damals im Interview mit procontra: „Viele Versicherungen mit einer Ausschließlichkeit machen es uns vor. Sie haben ihre Prozesse bis zum Kunden vorbildlich ohne Medienbrüche umgesetzt. Wir als reiner Maklerversicherer können dies aber nicht alleine tun. Wir müssen die Vielzahl an unterschiedlichen Prozessen und Schnittstellen mit unseren Maklern und unseren Kunden gemeinsam mit den anderen am Prozess beteiligten Partnern gestalten und damit minimieren. Alle Maklerversicherer, Maklerverwaltungsprogrammhersteller, Vertriebe, Pools und Verbünde müssen dafür zusammenarbeiten.“

Dass dieser Wunsch nach Zusammenarbeit auch in der Maklerschaft vorhanden ist, zeigte sich auch an Umfragen. Qualität der Services und schnelle Prozesse waren schon 2013 für knapp 70 Prozent der befragten Makler entscheidend bei der Wahl eines Versicherers. Dieser Anspruch richtet sich auch an Maklerverwaltungsprogramme (MVP), die – vereinfacht gesagt – den Berufsalltag des ungebundenen Vermittlers erleichtern sollen.

Wer wurde diesem Anspruch gerecht? Blickt man auf die Liste der meistgenutzten MVP dieser Zeit, zeigt sich ein weites Teilnehmerfeld, das um die Gunst der Maklerschaft buhlte. Den Anbieter Assapp gibt es inzwischen nicht mehr; der InfoAgent kommt nun aus dem Haus Acturis, das den insolventen Hersteller Buchholz aufkaufte.

MVP: Abhängigkeit droht

Der MVP-Markt hat sich deutlich verändert. Warnen Branchenexperten mit Blick auf Pools und Verbünde vor oligopolen Strukturen, gilt das erst recht für den MVP-Markt. Über Fusionen und Zukäufe sicherte sich Acturis einen Großteil des Marktes. Friedel Rohde, Geschäftsführer von dvb, kommentierte das 2017 so: „Ich weiß nicht, ob ich das gut finde. Einerseits ist es wichtig, dem Makler gut funktionierende MVP zur Seite zu stellen, damit sie ihre Arbeitszeit für die Verwaltungstätigkeiten erheblich reduzieren können. Andererseits gelangen sie bei einem oligopolistischen Markt in Abhängigkeiten gegenüber den MVP.“

Mit dem Markteintritt von „MeinMVP“ – einer Initiative der Versicherer – hat sich das Problem noch einmal neu gezeigt und procontra widmete der Frage nach Abhängigkeiten im Sommer 2019 die Titelgeschichte der Printausgabe.

Wie gehen Makler damit um? Immerhin bevorzugt die Mehrheit der Makler ein unabhängiges Softwarehaus als Technologiepartner – ermittelte eine Umfrage der deutsche-versicherungsboerse.de (dvb). Das Verwaltungsprogramm eines Pools will nur gut ein Viertel der Maklerschaft nutzen; ein Drittel würde einen Verbund als MVP-Lieferanten akzeptieren.
Allerdings sind Umfragen auch mit gewissen Schwierigkeiten verbunden. Gelingt es einem der Akteure, seine Nutzer zu mobilisieren, können sich Ergebnisse schnell verschieben.

MVP: Hat „meistgenutzt“ ausgedient?

Neue Bewertungsansätze für MVP, die sich von der bloßen Nutzung abheben, probierte das Marktforschungsunternehmen Servicevalue in diesem Jahr aus. Erstmals wurde in der Reihe „Makler-Champions“ auch über MVP abgestimmt. Service, Kompatibilität zu den eigenen Strukturen im Maklerbüro, Befähigung oder Zusatznutzen konnten von den Teilnehmern bewertet werden.

Was verbirgt sich hinter diesen neuen Relevanzwerten? Wovon hängt es ab, welches Maklerverwaltungsprogramm zu welchem Makler passt? Fragen, denen procontra mit dieser Themenseite ebenso nachspüren will, wie den technischen Herausforderungen, denen sich Makler gegenübersehen. Datenschutzanforderungen, BiPro-Schnittstellen und funktionierende Abrechnungssysteme: Die Problemfelder im MVP-Markt sind mindestens so ausdifferenziert wie der Maklermarkt selbst. Zeit also, für eine ausführliche Standortbestimmung im MVP-Markt.

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