LV-Stornoquote: Kommt nächstes Jahr die böse Überraschung?

Florian Burghardt Versicherungen

Die Stornoquote bei Lebensversicherungen ist 2019 leicht gestiegen, die vorzeitigen Leistungen haben sich dagegen merklich erhöht. Wie sich die Corona-Krise auf die Vertragskündigungen auswirken wird, dazu gibt es in der Branche verschiedene Prognosen.

Droht der Lebensversicherung in diesem Jahr durch die Coronakrise ein deutlicher Anstieg der Stornoquote oder schafft das Neugeschäft einen Ausgleich?

Droht der Lebensversicherung in diesem Jahr durch die Coronakrise ein deutlicher Anstieg der Stornoquote oder schafft das Neugeschäft einen Ausgleich? Bild: Pixabay

Über die Höhe der Stornoquote in der Lebensversicherung wird gerne diskutiert. Der Bund der Versicherten (BdV) etwa hält sie für zu hoch und prangert damit auch das System der Provisionsberatung an. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hingegen präsentiert Jahr für Jahr einen, aus seiner Sicht, zufriedenstellenden Wert.

Für das Geschäftsjahr 2019 lag dieser bei 2,68 Prozent. Ein leichter Anstieg gegenüber 2018 (2,63 Prozent). Das geht aus der aktuellen Veröffentlichung des Verbandes „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2020“ hervor. Der GDV berechnet seine Stornoquote nach der Anzahl der in einem Jahr weggefallenen Verträge im Verhältnis zum gesamten durchschnittlichen Jahresbestand an Verträgen.

Stornos verschlingen 14 Milliarden Euro

Deutlich dramatischer klingen die Zahlen, die sich der institutionelle Versicherungsnehmer Policen Direkt herausgepickt hat. Denn mit Blick auf das monetäre Stornovolumen haben die Lebensversicherer im Jahr 2019 rund 14 Milliarden Euro vorzeitig ausgezahlt. Diese Summe lag um 13,6 Prozent über der des Vorjahres. In Bezug auf die durchschnittlichen Beitragseinnahmen der Jahre 2014 bis 2018 liegt die durchschnittliche Beitrags-Stornoquote, laut der Ratingagentur Assekurata, bei 4,4 Prozent.

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie erwartet die Branche in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der Stornoquote. Um dem entgegenzuwirken, wurden bereits frühzeitig PR-Maßnahmen ergriffen, um Vermittlern und Kunden Alternativen zur Vertragskündigung aufzuzeigen.

Unterschiedliche Einschätzungen

Auch Policen Direkt als Aufkäufer von Lebensversicherungen bemerkt, dass sich die Menschen zunehmend darüber informieren, wie sie mehr aus ihrer Police herausholen können als nur den Rückkaufswert. Allein im ersten Quartal des Jahres habe sich die Anzahl der Anfragen bei ihnen verdreifacht. „Dass angesichts aktueller Notlagen viele immer noch ihre Altersvorsorge auflösen und beim Versicherer kündigen, wird sich in der kommenden Statistik zum Stornovolumen niederschlagen“, sagte Efstratios Bezas, Leiter Vertrieb bei Policen Direkt.

Aber ist das wirklich schon so klar? Der Maklerpool blau direkt hatte kürzlich konstatiert, dass die interne Stornoquote zwar von Januar bis Mai um etwa 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen ist. Gleichzeitig sei aber auch das Neugeschäft überdurchschnittlich gestiegen und habe den Beitragswegfall nahezu ausgeglichen. Außerdem hätten bereits einige Kunden ihre Beitragszahlung wieder aufgenommen, die sie aufgrund der Krise ausgesetzt hatten.

Der procontra-LV-Check arbeitet gerade noch an einer umfassenden Analyse der Geschäftszahlen des Jahres 2019. Dabei wird auch wieder Thema sein, wie sich die Stornoquoten der einzelnen Anbieter verändert haben. Im Jahr 2018 konnten immerhin 7 Lebensversicherer ihre Stornoquote um mehr als 0,25 Prozentpunkte verbessern (siehe untenstehende Bilderstrecke).

Die 7 größten Stornoquoten-Erfolge

Platz 6: HDI (-0,29%)
Die HDI Lebensversicherung konnte ihre Stornoquote in 2018 um 0,29 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr senken. Sie lag zum Ende des Geschäftsjahres bei 2,05 Prozent. Auch HDI konnte sich am stärksten bei den fondsgebundenen Policen verbessern (von 3,98 auf 3,33 Prozent). Bild: GDV