Lebenserwartung: In diesen Landkreisen ist sie am höchsten

Florian Burghardt Berater

Je nach Wohnort steigt und sinkt die Lebenserwartung. Welche Faktoren dafür verantwortlich sind, hat eine Auswertung aller 402 Kreise ermittelt. Manch viel diskutierter Aspekt wurde dabei von den Forschern als relativ unwichtig eingestuft.

Die statistische Lebenserwartung von Männern variiert je nach Wohnort um bis zu 5,4 Jahre, die von Frauen um bis zu 3,9 Jahre.

Die statistische Lebenserwartung von Männern variiert je nach Wohnort um bis zu 5,4 Jahre, die von Frauen um bis zu 3,9 Jahre. Bild: Pixabay

Die Münchner stechen hierzulande nicht nur im Fußball alle aus. Nach statistischer Betrachtung leben sie auch am längsten. Im Landkreis München werden Männer durchschnittlich 81,2 Jahre alt. Damit leben sie knapp 3 Jahre länger als der durchschnittsdeutsche Mann (78,5 Jahre). Bei den Frauen steht der Landkreis Starnberg im Südwesten Münchens an der Spitze. Stolze 85,7 Jahre erreichen die Damen dort, während der Bundesdurchschnitt bei 83,3 Jahren liegt.

Das haben die Demographiewissenschaftler Roland Rau (Uni Rostock) und Carl P. Schmertmann (Florida State University) in einer gemeinsamen Studie herausgefunden. Dafür haben sie die Sterberaten der Jahre 2015 bis 2017 in allen 402 deutschen Landkreisen ausgewertet und miteinander verglichen.

Süd-Ost-Gefälle

Die geringste Lebenserwartung haben Männer demnach mit nur 75,8 Jahren in Bremerhaven. Frauen sterben statistisch gesehen am frühesten in Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt (81,8 Jahre). Damit werden Männer je nach Wohnort bis zu 5,4 Jahre älter und Frauen bis zu 3,9.

Generell lässt sich aus der Studie der Trend ableiten, dass die Menschen umso länger leben, je weiter sie im Süden der Bundesrepublik wohnen. Hingegen zeigt die grafische Auswertung der Daten anhand einer Deutschlandkarte, dass die Lebenserwartung von Männern und Frauen in den neuen Bundesländern geringer ausfällt. Dies ist vor allem in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und weiten Teilen Brandenburgs der Fall. Im Westen der Republik tritt deutlich unterdurchschnittliche Lebenserwartung im Ruhrgebiet (dort vor allem Dortmund, Gelsenkirchen und Essen) und im Saarland auf.

Länger arbeitslos = früher tot?

Mit ihrer Studie haben die Forscher auch untersucht, welche Faktoren zur unterschiedlichen Lebenserwartung in deutschen Landkreisen beitragen. Ergebnis: Vor allem die Arbeitslosenquote und die Quote der Hartz-IV-Empfänger drücken mit ihrem Anstieg das statistische Alter. Deutlich weniger ins Gewicht fallen Durchschnittseinkommen, die Zahl der Ärzte pro 100.000 Einwohner und die Bevölkerungsdichte.

„Wer Unterschiede in der Lebenserwartung reduzieren will, muss vor allem die Lebensbedingungen des ärmsten Teils der Bevölkerung verbessern“, zeigt sich Studienautor Rau überzeugt. Natürlich ist dafür ein Arbeitsplatz essenziell. Auf diesen aufbauend können aber, bei frühzeitigem Start, schon geringe Beiträge zur privaten und betrieblichen Altersversorgung dazu beitragen, dass der Ruhestand kein finanzielles Fiasko wird.