Kreuzfahrt-Urteil: Welche Auswirkungen eine Schlägerei auf den Reisepreis haben kann

Anne Hünninghaus Recht & Haftung Berater

Blaues Auge statt blauer See: Am ersten Tag einer Schiffsreise kam es beim Landgang zu einer Prügelei unter mehreren Männern. Ein deutsches Ehepaar wurde daraufhin nicht mehr an Bord gelassen – zu Unrecht, wie das LG Frankfurt urteilte.

Stress statt Erholung: Gleich am ersten Tag einer Kreuzfahrt kam es im vergangenen Jahr zu einer Schlägerei.

Stress statt Erholung: Gleich am ersten Tag einer Kreuzfahrt kam es im vergangenen Jahr zu einer Schlägerei. Bild: Adobe Stock/sas

Bevor die Corona-Pandemie im Frühjahr für Kreuzfahrt-Horrorszenarien sorgte, erlebten die Schiffsreisen in den vergangenen Jahren einen unvergleichlichen Boom. Im Rekordjahr 2019 begaben sich laut Statistischem Bundesamt 30 Millionen internationale Passagiere auf Fahrten über die Weltmeere. Nach US-Amerikanern und Chinesen sind Deutsche am häufigsten unter den Passagieren zu finden. Doch auch vor der gesundheitlichen Bedrohung durch Corona aufgrund vieler Personen auf engstem Raum gingen solche Reisen nicht immer glücklich aus – und das liegt zuweilen am Temperament der Personen an Bord. Von einem Zwischenfall betroffen war auch ein deutsches Ehepaar, das sich auf einer Kreuzfahrt von Savona nach Santos befand.

Was war geschehen?

Am ersten Tag der Reise machte das Schiff einen Zwischenstopp in Marseille, nach dem Landgang wurden die Passagiere in einem Bus zurück zum Schiff gebracht. Hier kam es zu einer Schlägerei, in die der Ehemann und zwei weitere männliche Schiffgäste involviert waren. Nach einem Sturz auf den Hinterkopf wurde er bewusstlos in ein Krankenhaus gebracht – eine anschließende Rückkehr auf das Schiff wurde sowohl ihm als auch seiner Ehefrau verweigert. Die beiden anderen Männer wurden ebenfalls von der Weiterfahrt ausgeschlossen.

Der Betroffene verklagte im Anschluss den Reiseveranstalter auf eine Minderung des Reisepreises für die ausgefallenen Tage und auf Ersatz für die nutzlos aufgewendete Urlaubszeit. Dem entgegnete der Veranstalter, dass der Ausschluss begründet gewesen sei, da der Kläger ebenfalls Gewalt ausgeübt hatte. Dies war darin resultiert, dass die beiden anderen Männer – die miteinander verwandt waren – gleichsam ärztlich versorgt werden mussten. Da deren weitere Familienmitglieder wieder an Bord des Schiffes gegangen waren, hätte zudem eine Begegnung verhindert werden sollen, so der Veranstalter.

Das Urteil

Die Reiserechtskammer des Frankfurter Landgerichts gab in ihrem Urteil vom 28. November 2019 dem Begehren des Klägers in der Hauptsache statt (Az.: 2-24 O 46/19). Die Begründung: Der Reiseveranstalter hatte nicht ausreichend dargelegt, inwiefern der Kläger an der körperlichen Auseinandersetzung beteiligt gewesen war und wieso dies den Ausschluss der Eheleute von der weiteren Kreuzfahrt rechtfertigte. Dass die beiden Kontrahenten ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert wurden, wurde nicht als ausreichender Beleg akzeptiert. Der Veranstalter sei verpflichtet, seine Gäste vor Mitpassagieren zu schützen. Für die ausgefallenen Reisetage sprach das Gericht dem Kläger folglich einen Anspruch auf Minderung des Reisepreises zu.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare