Kfz-Versicherung: Werden ältere Autofahrer diskriminiert?

Martin Thaler Versicherungen

In der Kfz-Versicherung werden ältere Fahrer meist deutlich stärker zur Kasse gebeten, viele Anbieter staffeln ihre Tarife nach dem Alter. Die BaFin untersuchte nun, ob diese Praxis einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz darstellt.

Zahlen ältere Menschen wirklich wesentlich mehr für ihre Kfz-Haftpflichtversicherung als jüngere?

Zahlen ältere Menschen wirklich wesentlich mehr für ihre Kfz-Haftpflichtversicherung als jüngere? Bild: Adobe Stock/ Andrey Bandurenko

Ältere Menschen klagen häufig über deutlich höhere Beiträge im Rahmen ihrer Kfz-Versicherung. Eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox ergab jüngst, dass ein über 80 Jahre alter Autofahrer mehr als doppelt so viel (114 Prozent) für seine Haftpflichtversicherung ausgeben muss als ein 40-Jähriger. Das ist deutlich mehr als noch vor vier Jahren, als der Preisunterschied noch bei „nur“ 83 Prozent lag.  

Seit einigen Jahren ist es Praxis unter deutschen Kfz-Versicherern, Pkw-Tarife nach dem Alter der Versicherungsnehmer, teilweise auch der Fahrer, zu staffeln. Die Frage, die sich vielen älteren Motoristen folglich stellte: Sind die erhöhten Beiträge rechtskonform oder werden sie hier allein aufgrund ihres Alters diskriminiert?  

Das deutsche Recht setzt der altersbedingten Ungleichbehandlung enge Grenzen: Laut § 20 Absatz 2 Satz 2 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) ist eine Ungleichbehandlung nur zulässig, „wenn diese auf anerkannten Prinzipien risikoadäquater Kalkulation beruht, insbesondere auf einer versicherungsmathematisch ermittelten Risikobewertung unter Heranziehung statistischer Erhebungen“.  

Keine Verstöße ersichtlich

Eine Beschränkung, an die sich die Versicherer zu halten scheinen. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Untersuchung der Finanzaufsicht BaFin, die die altersabhängige Tarifierung in diesem Zusammenhang untersucht hat. „Anhaltspunkte für Verstöße gegen die Vorschrift und damit für eine unzulässige Diskriminierung älterer oder jüngerer Versicherungsnehmer haben sich nicht ergeben“, heißt es in einer BaFin-Mitteilung.  

Laut BaFin würden bei einem signifikanten Anteil der untersuchten Kfz-Versicherer selbst ältere Versicherte bis 79 Jahre eine niedrigere durchschnittliche Prämie zahlen als beispielsweise Versicherungsnehmer zwischen 27 und 41 Jahren. Der Grund: Die altersbezogenen Prämienzuschläge werden unter anderem durch die meist höhere Schadensfreiheitsklasse sowie eine geringere Fahrleistung älterer Versicherungsnehmer kompensiert.

Wie die Beiträge reduziert werden können

Neben Alter des Versicherungsnehmers, Fahrleistung und Schadensfreiheitsklasse gibt es zahlreiche weitere Faktoren, die die Höhe der Versicherungsprämie beeinflussen. Wesentliche Faktoren sind unter anderem die Vereinbarung einer Werkstattbindung sowie die Art der Beitragszahlung. Vor allem wer den Jahresbeitrag auf einen Schlag bezahlt, schöpft das Sparpotenzial am meisten aus. Auch die Vereinbarung eines Selbstbehalts senkt den Beitrag in der Regel deutlich.  

Relativ gering sind die preislichen Auswirkungen, die der Abstellort des Fahrzeugs auf die Versicherungsprämie hat. Laut einer Untersuchung des Verbraucherportals Finanztip fiel die Prämie von Fahrzeugen, die in einer Garage abgestellt wurden, lediglich drei Prozent geringer aus als bei Fahrzeugen, die unter freiem Himmel ihr Nachtquartier aufschlagen.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare