Kfz: Rechtssicherheit lässt Prämien sinken

Michael Fiedler Versicherungen

Wer zahlt bei Unfällen mit Anhängern? Die Haftungsfrage bei Gespann-Unfällen wurde vereinfacht und nun sinken bei ersten Versicherern die Kfz-Prämien bei Anhängerversicherungen.

Die Versicherungsprämien für Kfz-Anhängerversicherungen sinken

Sinken dank einer gesetzlichen Neuregelung auch die Versicherungsprämien für Wohnwagen? Bild: pixabay

Deutschland ist Transportland: Etwa 70 Prozent aller Güter werden auf Lastwagen durch das Land gefahren. Das Kraftfahrtbundesamt meldete, dass Lkw 2018 mehr als 80 Milliarden Kilometer in Deutschland zurücklegten. Sattelzugmaschinen mit ihren Aufliegern übernehmen einen großen Teil der Transporte. Kam es bei solchen Transporten zu Unfällen, mussten sich die Versicherung des Zugfahrzeuges und des Anhängers die Kosten teilen. Grund dafür war ein zehn Jahre altes Urteil des Bundesgerichtshofs (IV ZR 279/08). Der Verwaltungsaufwand für die Versicherer stieg und damit auch die Prämien bei Anhängerversicherungen. Der Verband der Automobilindustrie beklagte, dass Betreiber von Anhängerflotten mit 7.000 Fahrzeugen, Mehrkosten von über zwei Millionen Euro zu stemmen hätten.

Zu Jahresbeginn beschloss das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf, der für mehr Rechtssicherheit bei Gespann-Unfällen sorgen soll. Demnach ist der Schaden weiterer Unfallbeteiligter grundsätzlich vom Halter des Zugfahrzeugs zu tragen, falls im Einzelfall nicht ausnahmsweise der Anhänger gefahrerhöhend gewirkt hat. Das bloße Ziehen des Anhängers reicht nicht aus, um gefahrerhöhend zu wirken, heißt es in der Neuregelung. Auch das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) erfuhr eine Anpassung: Dort ist der Grundsatz, dass die Versicherung der Haftung folgt, nun ausdrücklich festgehalten.

Die Neuregelung tritt zum 17. Juli in Kraft und es durfte spekuliert werden, wie die Versicherungsbranche auf die – auch von ihr gewollten – Änderungen reagiert. Mit R+V hat nun ein erster Versicherer Preissenkungen angekündigt. Die Haftpflichtbeiträge für Anhänger in dem zum 1. Juli eingeführten Tarif würden kurzfristig abgesenkt, sagte Christian Hartrampf, Kfz-Versicherungsexperte bei der R+V. Die günstigeren Prämien würden auch für Kravag-Kunden gelten, hieß es auf dem Portal verkehrsrundschau.

Die Gesetzesreform betrifft neben Aufliegern von Sattelzügen auch Wohnwagen/Caravans. Und davon gibt es in Deutschland europaweit mit rund 654.000 die meisten.
Die gesetzliche Neuregelung gilt aber auch Kfz-Anhänger. Und die konnten bei den Neuzulassungen im Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 23 Prozent zulegen. Insgesamt wurden im Juni 2020 36.400 Kfz-Anhänger neu zugelassen. Die meisten davon in Bayern (6.676), Nordrhein-Westfalen (6.575) und Baden-Württemberg (4.619).

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