Kfz-Haftpflicht: Diese Regeln gelten für E-Roller und E-Scooter

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen

Eine Hamburger Politikerin wurde vergangene Woche mit abgelaufenem Versicherungskennzeichen auf ihrem E-Roller erwischt. Viele Fahrer von Mopeds oder E-Scootern brauchen offenbar Nachhilfe, wenn es um den richtigen Versicherungsschutz geht.

Im ersten Quartal 2020 gab es 251 Unfälle mit E-Scootern, in denen Personen verletzt wurden

Im ersten Quartal 2020 gab es 251 Unfälle mit E-Scootern, in denen Personen verletzt wurden. Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

„Ich habe den Roller erst seit vergangenem Jahr und dachte, dass sich die Versicherung wie beim PKW automatisch verlängert“, mit dieser Argumentation kam die Hamburger FDP-Politikern Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein nicht weit, als sie vergangene Woche mit ihrem Gefährt von der Polizei angehalten wurde. Das berichtet aktuell die Hamburger Morgenpost. Knapp vier Monate lang war die letzte verbliebene liberale Abgeordnete der Elbmetropole mit einem E-Roller mit grünem Nummernschild unterwegs gewesen. Seit März hätte dieses aber bei geltendem Versicherungsschutz schwarz sein müssen, was für die Streife nicht zu übersehen war.

Plakette oder Nummernschild?

Besitzer von E-Rollern sollten sich den 1. März rot im Kalender anstreichen. Denn spätestens zu diesem Termin müssen die Versicherungskennzeichen, die jedes Jahr eine andere Farbe haben, erneuert werden. Im Gegenteil zum Auto – und das hätte von Treuenfels-Frowein wissen müssen – verlängert sich der Versicherungsschutz bei Mopeds & Co. nämlich nicht automatisch von Jahr zu Jahr. Verpflichtend ist das Kennzeichen für Mofas, mit bis zu 25 Stundenkilometern und Rollern bis 50 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit. Absolutes Muss ist die Haftpflichtversicherung, manche Anbieter schließen auch Teil- oder Vollkasko ein.

Nicht zu verwechseln sind E-Roller mit den seit vergangenem Jahr zugelassenen E-Scootern. Für diese elektronisch betriebenen Tretroller brauchen Fahrer keinen Führerschein, sie dürfen ab einem Alter von 14 Jahren genutzt werden. Auch für diese ist eine eigenständige Kfz-Haftpflichtversicherung abzuschließen. Statt eines farbigen Nummernschilds sind für E-Scooter selbstklebende Plaketten Pflicht, die den Versicherungsschutz auszeichnen. Fehlt die Plakette – Stichtag ist hier ebenfalls der 1. März jedes Jahres –, darf der Tretroller nicht auf öffentlichen Straßen genutzt werden.

Erste Zahlen zu E-Scooter-Unfällen

Wer das ignoriert, riskiert empfindliche Strafen, zudem kann es nach einem Unfall zu hohen Schadenersatzforderungen kommen. Von Januar bis März 2020 registrierte die Polizei in Deutschland insgesamt 251 Unfälle mit E-Scootern mit Personenschäden. Laut Statistischem Bundesamt wurde ein E-Scooter-Nutzer getötet, 39 wurden schwer und 182 leicht verletzt. Das ist zwar im Vergleich zu Fahrradfahrern, die in mehr als 12.700 Unfällen zu Schaden kamen, wenig – angesichts dessen, dass der Trend noch neu ist und die Zahl der Fahrradfahrer die der Scooter-Nutzer bei weitem übersteigt, sind die Zahlen aber nicht zu vernachlässigen. Alkoholfahrten mit einem E-Scooter sind tunlichst zu vermeiden: Auch hier macht man sich ab einem Blutalkoholwert von 0,5 Promille strafbar.

Ob bei Roller oder Scooter: Fehlender Versicherungsschutz zieht im Bußgeldkatalog laut Pflichtversicherungsgesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten oder eine Geldstrafe nach sich. Laut Morgenpost beteuerte FDP-Politikerin von Treuenfels-Frowein übrigens, ihr Versäumnis sofort nachgeholt zu haben. Eine Strafanzeige hat sie nun dennoch am Hals – vom Spott der politischen Rivalen ganz zu schweigen. Wäre sie in Sachen Versicherungsschutz mal besser beraten gewesen.

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