Kapitalanlage: Versicherer setzen immer stärker auf Betongold

Martin Thaler Versicherungen

Angesichts der andauernden Niedrigzinsphase werden Immobilien für die deutschen Versicherer immer interessanter. In den letzten Jahren steigerten viele Unternehmen ihre Immobilienquote. Ein pauschales Qualitätsurteil lässt diese allerdings nicht zu.

Viele Versicherer haben in den vergangenen Jahren deutlich ihre Immobilienquoten erhöht.

Viele Versicherer haben in den vergangenen Jahren deutlich ihre Immobilienquoten erhöht. Bild: Adobe Stock/ slavun

Für die deutschen Versicherer werden Immobilien-Investments immer interessanter – zu diesem Schluss kommt das aktuelle „Trendbarometer Immobilienanlagen der Assekuranz“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), für die im Mai dieses Jahres insgesamt Vertreter von 30 verschiedenen Versicherern befragt wurden.  

Mit einem Wert von 10,8 Prozent lag die Immobilienquote auf einem neuen Höchstwert – im Vergleich zum Vorjahr (10,3 Prozent) konnte sie nochmals zulegen. Noch deutlicher wird die Bedeutung von Immobilien-Investments, wenn man den Blick noch weiter in die Vergangenheit richtet. 2010 lag die Immobilienquote nur bei 6,1 Prozent.  

„Versicherungen sind auf stabile, regelmäßige Zinserträge angewiesen. Im Niedrigzinsumfeld sind Immobilien neben Aktien eine der letzten verbliebenen Anlagealternativen, um Renditen oberhalb des risikolosen Zinses zu erwirtschaften“, sagt Dietmar Fischer, Partner bei EY Real Estate und Autor der Studie. 70 Prozent der Befragten erklärten aufgrund des herrschenden Anlagenotstands Immobilien-Investments für weitgehend alternativlos. So erwarteten die Versicherer in diesem Jahr Renditen von 3,2 Prozent bei direkt gehaltenen Immobilien, bei indirekt gehaltenen waren es sogar 5,2 Prozent.  

Auch deshalb wird die derzeitige Corona-Krise an der Anlagestrategie der Versicherer wohl nur wenig ändern, ist man bei EY überzeugt. 78 Prozent der Befragten gaben an, ihre Anlagestrategie nicht grundlegend ändern zu wollen. Über die Hälfte der Versicherer (54 Prozent) gab an, ihre Immobilienquote nicht verändern zu wollen, 39 Prozent will sie sogar weiter ausbauen – vor der Corona-Krise hatte das jedoch noch knapp die Hälfte gesagt. Sieben Prozent der Versicherer will seine Immobilienquote jedoch verringern. „Ein leicht negativer Effekt durch die Pandemie ist erkennbar. Von einer Trendumkehr, wie wir sie nach der Weltfinanzkrise erlebt haben, kann derzeit jedoch keine Rede sein“, sagte Fischer.  

Zu einem ähnlichen Ergebnis war vor Kurzem auch die Ratingagentur Assekurata gekommen. Auch diese hatte in den vergangenen Jahren eine Umschichtung innerhalb der Kapitalanlage feststellen können, von der vor allem Beteiligungen (+3,1 Prozent seit 2011), Immobilien (2,1 Prozent) und Aktien (1,6 Prozent) profitieren konnten. Trotz Corona-Krise gaben auch hier 40 Prozent der befragten Versicherer an, ihre Immobilienquote weiter ausbauen zu wollen.  

Im Blickpunkt der Versicherer liegen dabei in erster Linie Logistik- und Wohnimmobilien – Assetklassen, die als weitgehend pandemieresilient gelten. Deutlich gesunken ist stattdessen das Interesse an Einzelhandels- und Hotelimmobilien.  

Dass Makler und ihre Kunden bei der Wahl des passenden Lebensversicherungsanbieters ausschließlich an der Immobilienquote als vermeintlichem Sicherheitsanker, ist jedoch zu kurz gegriffen, warnte Dr. Reiner Will, Gründer der Kölner Ratingagentur Assekurata im Interview mit procontra: „So einfach ist die Rechnung leider nicht“, erklärte Will mit Blick auf einen durch die Krise ebenfalls wackliger gewordenen Immobiliensektor. „Immobilien und Infrastrukturprojekte werden zwar weiterhin eine verhältnismäßig sichere Anlage sein, aber die Entwicklung dürfte weniger dynamisch sein als vor Corona.“

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