Hier erwartet Euler Hermes die meisten Insolvenzen

Florian Burghardt Corona Berater

Wie viele Insolvenzen die Corona-Krise weltweit fordern wird, hat Euler Hermes berechnet. Auch, wie die Prognose für Deutschland aussieht und warum die Hochphase erst 2021 erwartet wird, hat sich der Kreditversicherer überlegt.

Ronald van het Hof, CEO bei Euler Hermes für die DACH-Region, sieht den Höhepunkt der Pleitewelle durch die Coronakrise für Deutschland erst im Jahr 2021.

Ronald van het Hof, CEO bei Euler Hermes für die DACH-Region, sieht den Höhepunkt der Pleitewelle durch die Coronakrise für Deutschland erst im Jahr 2021. Bild: Euler Hermes

Die Corona-Krise wird für einige Unternehmen das Aus bedeuten. Das dürfte kaum überraschen. Wie stark die weltweite Krise aber voraussichtlich die Anzahl der Insolvenzen erhöhen wird, hat nun der Marktführer im Kreditversicherungsgeschäft, Euler Hermes, berechnet. Demnach kommt die Allianz-Tochter auf eine Zunahme der Firmenpleiten um 17 Prozent noch im laufenden Jahr 2017 und darauf aufbauend 16 Prozent im Jahr 2021. Das bedeutet in den beiden Jahren zusammen einen Anstieg der weltweiten Insolvenzen um 35 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019.

Bei zwei Dritteln der Nationen sei die Pleitewelle schon voll angekommen. In den USA etwa werden die Insolvenzen bereits in diesem Jahr um 47 Prozent zunehmen (2020 und 2021 kumuliert dann 57 Prozent), in Brasilien um 32 Prozent.

Deutschland trifft es verzögert

Deutschland gehört, den Studienautoren zufolge, zu der kleineren Gruppe von Ländern, die von den Negativeffekten zeitverzögert erreicht werden. Das bedeutet, dass die Anzahl der Insolvenzen erst im Jahr 2021 ihren Höhepunkt erreichen wird. Euler Hermes rechnet hierzulande mit etwa 19.500 Fällen in 2020 und rund 21.000 in 2021.

Ronald van het Hof, CEO bei Euler Hermes für die DACH-Region, begründet: „Unternehmen in Schieflage müssen dies aktuell erst im Herbst bei einem Insolvenzgericht anzeigen. Deshalb sehen wir aktuell noch relativ wenige Fälle in Deutschland. Aber der Schein trügt und im Herbst schlägt für viele die Stunde der Wahrheit.“

Als große Exportnation könnten sich die negativen Entwicklungen in den anderen Ländern für Deutschland auch och einige Zeit hinziehen. Das trübt die Aussicht. Als positive Faktoren merkt Euler Hermes aber an, dass Deutschland bislang aufgrund des weniger strikten Lockdowns und der sehr umfangreichen Sofortmaßnahmen der Regierung vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist. Dazu habe außerdem auch der Deal zwischen Bundesregierung und Warenkreditversicherern beigetragen. Inwiefern das heute beschlossene Corona-Hilfspaket der Europäischen Union an den Prognosen noch etwas verändern wird, bleibt abzuwarten.

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