Hanse Merkur gibt sich selbstbewusst im Krisenjahr

Anne Hünninghaus Corona Versicherungen

Trotz des miesen Reiseversicherungsgeschäfts hofft die Hamburger Versicherungsgruppe noch auf eine positive Bilanz zum Jahresende. Besonders stolz ist man auf den Zuwachs in der Krankenvollversicherung.

Die Hanse Merkur präsentierte am 7. Juli in einer Online-Pressekonferenz ihre aktuellen Geschäftszahlen.

Die Hanse Merkur präsentierte am 7. Juli in einer Online-Pressekonferenz ihre aktuellen Geschäftszahlen. Bild: HanseMerkur

„Wir sind durchweg besser als die Branche“, hieß es von Hanse-Merkur-Vorstandschef Eberhard Sautter auf der Online-Pressekonferenz am Dienstagvormittag, nachdem er die Überschuss-, Solvenz- und Verwaltungskostenquote ausgeführt hatte. Auch in Zeiten der Krise gab sich der mittelständische Hamburger Versicherer in der Präsentation seiner Geschäftszahlen betont selbstbewusst. Sehr gut sei man durch das pandemiegeprägte Halbjahr gekommen, und man hoffe sogar auf ein kleines Plus am Jahresende – Corona zum Trotz.

Sorgen macht allerdings – wenig verwunderlich – das Geschäftsfeld Reise und Freizeit. Statt neue Märkte zu erschließen, dürften sich die Beitragsrückgänge in der Reiseversicherung im Verhältnis zum Vorjahr auf 50 bis 60 Millionen Euro addiert haben. Der Bereich, der ein Minus von 20 bis 30 Prozent verzeichnen wird, macht rund ein Zehntel des Gesamtgeschäfts des Versicherers aus. Ein Prämienplus in den Geschäftsfeldern Kranken, Leben und Schaden/Unfall, so hofft man, könnten die Verluste im weiteren Jahresverlauf kompensieren.

2019 war ein Rekordjahr

2019 war das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte der 1875 gegründeten Gruppe: Alle Geschäftsfelder verzeichneten teils kräftiges Wachstum und die Brutto-Beitragseinnahme stieg um 11,7 Prozent, also 239 Millionen, auf 2.288 Millionen Euro. Mit Ausnahme der Reiseversicherungen, deren Neugeschäft zwischen Mai 2019 und Mai 2020 um 23,3 Prozent schrumpfte, können sich die Zahlen, die die ersten Corona-Monate einberechnen, sehen lassen: Das Neugeschäftswachstum ist mit 21,7 Prozent in der Krankenversicherung und 88,7 Prozent in der Lebensversicherung überdurchschnittlich ausgefallen. Nach der Debeka ist die Hanse Merkur zudem laut eigener Angabe in Deutschland der Versicherer mit dem größten Nettozuwachs von Krankenvollversicherten (knapp 7.700).

Mit Blick auf die Kapitalanlagen, deren Bestand an der 10-Millarden-Euro-Grenze kratzt, sei man bisher solide durch die Krise gekommen. Eine hohe Eigenkapitalquote – diese hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht, so Sautter –, zwölf Prozent Aktien, und eine erhöhte Immobilienquote hätten sich ausgezahlt: „Dank unserem Anlagemix kommen wir gut mit der Niedrigzinsphase zurecht."

Mit einer raschen Erhöhung des Zinsniveaus ist in kommender Zeit nicht zu rechnen. Immer herausfordernder wird das Umfeld insbesondere für Versicherer, die viele Policen mit hohen Garantien in ihren Beständen haben - das ist bei der Hanse Merkur nicht der Fall: Die Verpflichtungen im Bereich Leben sind mit einem Anteil von nur vier Prozent an Vier-Prozent-Garantien gering. Zum Vergleich: In der Branche insgesamt ist dieser Anteil rund fünfmal so hoch.

Überschwänglich gelobt wurde auch der Vertrieb, der nach eigener Aussage bereits vor dem Shutdown hauptsächlich digital verlaufen sei. Zwei Fünftel des Umsatzes im Neugeschäft generiert die Hanse Merkur über den Vertrieb mittels freier Makler und Mehrfachagenten. Der Kundenbestand der Versicherungsgruppe stieg bis zum Ende des vergangenen Jahres um rund 400.000 auf 10,8 Millionen Versicherte und konnte damit in den letzten zehn Jahren verdoppelt werden. Ende 2019 beschäftigte die Hanse Merkur Gruppe 2.177 Angestellte im Innen- und Außendienst sowie hauptberufliche Vermittler.

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