Handel im Wandel: Über den Boom im Online-Handel und die Folgen für Versicherungsvermittler

Michael Fiedler Handelsschutz Berater

Branche im Wandel: Das gilt auch für Händler und Gewerbetreibende. Welche Trends sich im Handel abzeichnen und was das für Versicherungsvermittler bedeutet.

Wer kauft eigentlich in Online-Shops

Der Online-Handel boomt - nicht erst seit Corona. Welche Themen Versicherugnsvermittler bei Online-Händlern ansprechen sollten. Bild: pixabay

Digitalisierung, demografischer Wandel oder verändertes Kundenverhalten: Diese Schlagworte kennt man nicht nur in der Versicherungsbranche. Auch der Handel wird von diesen Entwicklungen maßgeblich beeinflusst. Wie genau, hat u.a. eine gemeinsame Studie von EHI Retail Institute GmbH, Handelsverband, Kantar TNS und KPMG untersucht, für die über 1.000 Konsumenten repräsentativ befragt wurden.

Ein wichtiges Ergebnis: Kunden wollen verstärkt selbst entscheiden, wann und wo sie welche Ware kaufen und erwarten, dass die gekaufte Ware schnell verfügbar ist. Das Internet kann diesen Erwartungen eher gerecht werden als stationärer Einzelhandel. So lässt sich der Boom vom Online-Handel, der bereits lange vor Corona eingesetzt hat, erklären. Sichtbar wird der Aufschwung in Zahlen: Wurden 2015 noch rund 46,9 Milliarden Euro im Online-Handel umgesetzt, kletterten die Umsatzzahlen zuletzt auf über 50 Milliarden Euro. Beliebte Waren im virtuellen Einkaufskorb sind vor allem Bekleidung sowie Elektro- und Telekommunikationsartikel.

Doch das veränderte Kundenverhalten führt nicht nur zu steigenden Umsatzzahlen im E-Commerce. Kunden wollen bewerten und vergleichen; Preistransparenz und -druck nehmen deutlich zu und auch die Zahl der Retouren wächst rasant. So verzeichnet eine nicht-repräsentative Befragung vom Händlerbund steigende Retourenquoten. Während 2018 noch 20 Prozent der befragten Online-Händler von „sehr vielen“ oder „vielen“ Retouren sprachen, waren es 2019 bereits 36 Prozent der Befragten. Unnötige Bestellungen aus Kauflust heraus und Auswahlbestellungen mehrerer Modelle oder Farben werden nach dem insgesamt wachsendem Online-Handel als Ursachen angegeben. Die Folgen:

  • Mehraufwand durch Retourenbearbeitung
  • Wertverlust der zurückgesendeten Waren
  • zusätzliche Belastung der Logistikbranche

Funktionierende Lieferketten und optimierte Prozesse stehen deshalb ganz oben auf der Agenda von Händlern.

Diese Trends wurden durch die Corona-Krise wie unter einem Brennglas verstärkt. Doch Studienergebnisse vom Händelbund aus Leipzig zeigen, dass längst nicht alle Händler von einem Online-Boom profitieren. Selbst wenn die Kaufkraft der Online-Kunden positiv ausfällt, haben immer mehr Händler durch Engpässe bei Zulieferern Probleme, ihren Handel aufrechtzuerhalten. Mittlerweile betrifft das Problem fast zwei Drittel der Händler (63 %).

Boom im Online-Handel verlangt nach Cyberschutz

Doch was heißt das für Versicherungsvermittler? Versicherungsmakler Rainer Schamberger sprach darüber im Interview mit procontra. Durch die starke Verlagerung von Umsatz auf den Online-Handel sei es wichtiger denn je, Cyberabsicherungen in den Fokus von Unternehmen zu bringen. „Was die Pandemie für das Offline-Lokal ist, ist die Malware für den Online-Vertrieb. Deswegen ist es genau jetzt der richtige Zeitpunkt, die bisher oft vernachlässigte Cyberversicherung bei den Unternehmern anzusprechen und zu integrieren“, so Schamberger. Seiner Ansicht nach sollte auch Aufklärung über Betriebsschließungsversicherungen grundlegend auf dem Beratungsplan stehen. Schließlich leisten einige der BSV-Tarife auch, wenn die Lieferkette zusammenbricht. Je nach Geschäftsmodell des Händlers sollten aber auch Lagerbestände (Inhaltsversicherung) und die Absicherung von Transporten angesprochen werden.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare