Grundrente: Warum sie Fluch und Segen zugleich ist

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen

Die Grundrente kommt 2021. Das hat der Bundestag am 2. Juli beschlossen. Sie beseitigt die größten Ungerechtigkeiten bei Geringverdienern, macht die Alterssicherung aber nicht zukunftsfest. Was die nächste Rentenreform anpacken muss.

Die Grundrente ist nun doch Gesetz geworden. Die Kosten kommen aus dem Bundeshaushalt.

Die Grundrente ist nun doch Gesetz geworden. Die Kosten kommen aus dem Bundeshaushalt. Bild: Pixabay/stux

Mitte November 2019 hatte die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD eine Grundrente aus dem Hut gezaubert. Ursprünglich sollte sie mit einer Milliarde Euro aus einer europäischen Finanztransaktionssteuer finanziert werden, die jedoch gescheitert ist. Nun wird sie über den Bundeszuschuss in der allgemeinen Rentenversicherung bezahlt – in Höhe von 1,4 Milliarden Euro jährlich ab 2021. Das Abenteuer um die Einführung geht aber weiter.

Die Grundrente soll ab 1. Januar 2021 die gesetzliche Rente für Versicherte mit mindestens 33 Beitragsjahren aufstocken, sofern sie durch die Einkommensprüfung kommen. Nutznießer sind vor allem jene 1,2 bis 1,5 Millionen Rentner, deren Beitragsleistung wegen Teilzeitarbeit oder niedriger Löhne unter 80 Prozent des Durchschnitts liegt, aber über 30 Prozent des Durchschnittseinkommens.

Kritik an der Grundrente

Die Grundrente fällt bei vielen Experten durch. In einem Gutachten für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wurde sie als verfassungswidrig, ineffizient und ungerecht eingestuft. Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) hat öffentlich moniert, dass die Grundrente bis Anfang 2021 logistisch nicht seriös umsetzbar sei.

Die zusätzlichen Verwaltungskosten machen mehr als 25 Prozent der Leistungsausgaben der Grundrente aus, kritisiert das Deutsche Institut für Altersvorsorge. Das sei ein Vielfaches im Vergleich zur Kostenquote, die im Durchschnitt von der Rentenversicherung bislang aufgebracht wird (gut 1,2 Prozent).

Grundsätzlich sei der Zuschlag für Geringverdiener richtig, die trotz jahrzehntelanger Beitragszahlung nur eine niedrige Rente erreichen. „Sie müssen einen Zuschlag erhalten, der ihre Rente auf ein Niveau deutlich oberhalb der Grundsicherung anhebt“, schreiben die Professoren Frauke Brosius-Gersdorf (Uni Hannover) und Ralf Kreikebohm (TU Braunschweig) in einem Fachbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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