Frauen blicken realistisch auf ihre Rente

Michael Fiedler Berater

Wie viel Geld braucht man im Alter? Frauen und Männer kommen da zu unterschiedlichen Antworten. Welche das sind und warum Frauen in Sachen Finanzberatung eine ganz andere Ansprache brauchen als Männer.

Frauen haben einen unverstellten Blick auf Altersvorsorge

Frauen brauchen eine entspanntere Ansprache in Sachen Altersvorsorge. Bild: AdobeStock / Annanahabed

Deutschlands Top-Verdiener leben in Wolfsburg, Ingolstadt oder Erlangen und sind – man ahnt es – männlich. Die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern (Gender Pay Gap) ist in Deutschland noch immer beachtlich und wird mit durchschnittlich 21 Prozent angegeben. Laut Daten der Deutschen Rentenversicherung ist der Unterschied bei Rentenempfängern noch größer. Während Männer 2017 eine durchschnittliche Rente von 1.048 Euro bezogen, erhielten Frauen nur 715 Euro; deutliche 46 Prozent Unterschied.

Haben sich Frauen mit dieser Situation abgefunden? Zumindest machen sie sich keine Illusionen über ihre Rente, zeigt eine Studie von Aon, für die im Frühjahr 2020 2.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren online befragt wurden.

Laut Studie rechnen Frauen mit weniger Einkommen im Alter als Männer und vertrauen bei ihrer Altersvorsorge am ehesten sich selbst – egal, ob verheiratet oder alleinstehend. Nur ein Viertel der Frauen (27,2 %) gibt an, mehr als 2.000 Euro netto pro Monat zu brauchen. Bei den Männern sind es fast doppelt so viele (47,9 %). Deutlich mehr Frauen (32,5 %) als Männer (21,2 %) wünschen sich eine Rente in Höhe ihres aktuellen Nettoeinkommens oder sogar darüber. Diese Erwartung ist hinsichtlich der niedrigeren Gehälter von Frauen im Vergleich zu Männern nicht überraschend. So hofft fast die Hälfte (47,7 %) aller Geringverdiennerinnen, dass die Rente mindestens genauso hoch ist wie das aktuelle Einkommen.



Obwohl ihr Blick auf die Rente realistisch ist, haben nur wenige Frauen (18,3 %) eine grobe Vorstellung davon, wieviel im Alter zu erwarten ist. Einen genauen Überblick haben noch weniger. Fast ein Drittel der Frauen geht davon aus, das gewünschte Einkommen im Alter nicht zu erreichen bzw. dazuverdienen zu müssen. 14,4 Prozent der Frauen wissen nicht, ob und wie sie das gewünschte Einkommen im Alter erreichen sollen. „Unsere Studie zeigt,“ kommentiert Gundula Dietrich, Geschäftsführerin von Aon, „dass Frauen sehr abgeklärt auf ihre Rente blicken. Sie rechnen mit Versorgungslücken, dabei erkennen sie gleichzeitig, dass sie sich noch besser über ihre finanzielle Situation im Alter informieren müssten.“

Allerdings bevorzugen Frauen eine andere Ansprache, wie Finanzberaterin Barbara Rojahn im Interview mit procontra erläuterte. „Die meisten Frauen wünschen sich eine anspruchsvolle, bedarfsgerechte Beratung, erleben aber bei männlichen Beratern oftmals überfordernde Situationen, in denen ihnen zahlreiche Charts gezeigt sowie unverständliche Fachbegriffe verwendet werden. Sie möchten die Dinge genau verstehen und benötigen Zeit für ihre Entscheidung.“

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