Fondspolicen: Standard Life treibt Kostentransparenz voran

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Standard Life hat seine Produktpalette renoviert und dabei auch den Umstieg von der Netto- auf die Bruttoillustration vollzogen. Damit werden die Gesamtkosten einer Fondspolice für Makler und deren Kunden deutlich – bisher ein Geheimnis der Anbieter.

Die Umstellung auf die Bruttomethode offenbart die tatsächlichen Kosten von Fondspolicen, sagt Christian Nuschele, Vertriebschef von Standard Life Deutschland. Bild: Standard Life

„Die vermutlich größte Veränderung, die Makler und Kunden von Standard Life jetzt feststellen können, ist die Umstellung von der Netto- auf die Bruttoillustration“, sagt Christian Nuschele, Head of Sales & Marketing bei Standard Life Deutschland. Die Bruttodarstellung berücksichtigt neben dem angenommenen Illustrationszins für die Wertentwicklung (häufig 6 Prozent) und den Versicherungskosten auch die Auswirkungen der Fondskosten auf die Ablaufleistung.

„Die Investment- und Versicherungskosten werden künftig klar voneinander getrennt und für den Kunden nachvollziehbar ausgewiesen“, erklärt Nuschele. Das ist ein enormer Fortschritt, denn bisher hat die Gilde der Fondspolicen-Anbieter sich nicht in die Karten der Gesamtkosten schauen lassen. Bei der Nettomethode sind regelmäßig die Fondskosten unterschlagen worden, die zudem sehr unterschiedlich berechnet wurden, obwohl der Name „Nettomethode“ genau dies verspricht (procontra berichtete).

Kaum Transparenz in den Vergleichsprogrammen

„Die Umstellung auf die Bruttoberechnung gehört zu unserer Strategie, moderner, transparenter und fairer zu werden“, betont Nuschele. Die Bruttomethode werde sowohl von Verbraucherschützern als auch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft empfohlen, weil sie die Vergleichbarkeit verschiedener Produkte und Anbieter deutlich erhöht.

In den Vergleichsprogrammen am Markt können diverse Berechnungsvorgaben eingestellt werden. Die Ergebnisse werden dann zum Beispiel nach der Höhe des möglichen Gesamtkapitals, sortiert. Im Rahmen der Modellrechnung werden diverse Parameter berücksichtigt: Garantiemodell, Beitrag, Laufzeit, Fondsanlage, Versicherungskosten, Überschüsse, Fondskosten und Kickbacks. „Für die Betrachtung der Brutto- und Nettomethode benötigen wir zwei Parameter: die vom Kunden gewählte Fondsanlage und deren Kosten“, heißt es beim Institut für Finanz-Markt-Analyse (Infinma).

Nettomethode verschleiert Fondskosten

Ein Beispiel, wie Illustrationszins, Versicherungskosten und Fondskosten auf die Ablaufleistung wirken: Der „JPMorgan Emerging Markets Equity“ weist 1,75 Prozent Fondskosten aus. Bei der Nettomethode werden die Fondskosten in Wahrheit weggelassen. Der Kunde käme nach Abzug der Versicherungskosten (Effektivkosten minus Fondskosten = 1,12 Prozent) bei beispielhaft gewählten 6,0 Prozent Wertentwicklung auf 4,88 Prozent Rendite nach (Versicherungs)Kosten.

Die Kickbacks der Fondsgesellschaften an Versicherer und von denen gegebenenfalls an Kunden, die teils durchschnittllich, teils fondsindividuell berechnet und ausgeschüttet werden, sind nicht berücksichtigt. Damit werden sowohl Berater als auch deren Kunden nicht transparent ins Bild der Fondspolicen-Rendite gesetzt. Daher ist die Bruttomethode fairer und transparenter. Im Beispiel werden die 1,75 Prozent Fondskosten noch abgezogen. Dadurch verringert sich die Rendite nach Kosten auf 3,13 Prozent (Kickbacks noch nicht berücksichtigt).

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