ESG: Grüne Präferenzen gefragt

Berater Investmentfonds Top News von JAN F. WAGNER

Laut EU-Vorgabe müssen Finanzberater ihre Kunden zukünftig auf nachhaltige Investments hinweisen und diese Lösungen auch anbieten. Das bedeutet Änderungen im Beratungsprozesses, die nicht zu unterschätzen sind.

Nachhaltigkeit Grüne Präferenzen gefragt

Die ESG-Präferenzabfrage könnte Beratung und Dokumentation verlängern. Darauf sollten Vermittler vorbereitet sein. Bild: pixabay

Im Privatkundengeschäft liegen nachhaltige Investments eindeutig im Trend. Wie der Fachverband Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) Ende Mai berichtete, betrug das Anlagevolumen Ende 2019 18,3 Milliarden Euro und damit doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Ein weiterer Beweis: Im Februar publizierte Union Investment eine Umfrage, in der erstmals eine Mehrheit der Privatanleger sagte, sie bevorzuge nachhaltige Investments.

Den Trend zu nachhaltigen Anlagen haben die Asset Manager hierzulande nicht verschlafen. Seit einigen Jahren bieten Union Investment und andere große Asset Manager wie Deka, DWS und Allianz Global Investors Fonds an, die entweder eine nachhaltige Strategie verfolgen oder eine bestimmte soziale oder ökologische Wirkung haben sollten (sogenannte „Impact Fonds“.) Mit diesen Fonds entstand ein stark wachsendes Geschäftsfeld.

Vor diesem Hintergrund würde man erwarten, dass Finanzberater ihre Kunden automatisch fragen, ob sie Interesse an einem nachhaltigen Investment hätten. Bislang ist es allerdings so, dass der Kunde diese Form der Anlage proaktiv ansprechen muss. Keine optimale Situation, wenn man bedenkt, dass der Berater die Präferenzen seines Kunden bei der Geldanlage bestens kennen sollte. Voraussichtlich ab September 2021 wird die EU die Berater beim Thema nachhaltige Investments jedoch in die Pflicht nehmen.

Abfrage bislang kein Thema

Die neue Vorgabe heißt ESG-Präferenzabfrage und nach Informationen von procontra haben sie Finanzberater noch nicht auf dem Radar. Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des FNG, begründet dies damit, dass bislang andere Themen wie beispielsweise Aktien- oder Immobilienfonds oder Produkte für die Steueroptimierung (fondsgebundene Lebensversicherungen) im Fokus standen.

So oder so wird die Präferenzabfrage kommen, und die Finanzberater sollten eigentlich genug Zeit haben, um sich auf die neue Vorgabe vorzubereiten. Sie sollten aber nicht den Aufwand unterschätzen, der mit der Erfüllung der Vorgabe verbunden ist. Davor warnte Hans Joachim Reinke, Vorstandschef der Union Investment auf einer Pressekonferenz noch im Februar dieses Jahres. „Die Präferenzabfrage ist eine große Herausforderung für die technischen Prozesse und verlängert die Beratung und Dokumentation. Wenn das nicht effizient umgesetzt wird, könnte es ein Alptraum werden“, sagte er.

Was Reinke meint: Der Finanzberater muss sich zunächst einmal mit nachhaltigen Produkten und ihren Zielen auseinandersetzen. Er muss beispielsweise erklären können, was es bedeutet, wenn der Fonds bestimmte Unternehmen vorne weg ausschließt (und warum) oder wenn Ausschlüsse im Rahmen einer “Best-in-Class”-Strategie erfolgen. Auch die Frage, ob Nachhaltigkeit Rendite kostet, muss er souverän beantworten können, zum Beispiel mit dem Hinweis auf Studien, die das Gegenteil belegen. Warum? Eine nachhaltige Strategie kann tatsächlich das Portfoliorisiko senken und damit die Gesamtperformance erhöhen.

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