E-Mobilität: Neue Herausforderung für die Versicherer?

Martin Thaler Versicherungen

Bis 2030 plant die Bundesregierung, die Zahl der E-Autos auf deutschen Straßen merklich zu steigern. Doch beim Versicherungsschutz gibt es noch viele offene Fragen, die es zu klären gilt, findet die FDP und hakt bei der Bundesregierung nach.

Nicht nur in der Sesamstraße sollen in Zukunft mehr E-Autos unterwegs sein.

Nicht nur in der Sesamstraße sollen in Zukunft mehr E-Autos unterwegs sein. Bild: Pixabay/ Kapa65

Bis 2030 strebt die Bundesregierung an, die Emissionen im Verkehr um 40 bis 42 Prozent zu verringern. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen nicht nur ÖPNV und Radwege ausgebaut, sondern auch die Elektromobilität gefördert werden. Unter anderem hat die Bundesregierung die Kaufprämie, den sogenannten „Umweltbonus“, für Elektroautos auf bis zu 6.000 Euro erhöht.  

Bislang fristen „Stromer“ noch ein ziemliches Nischendasein: Laut Kraftfahrzeugbundesamt machten E-Autos gerade einmal 0,3 Prozent (136.617) am Gesamt-Pkw-Bestand von rund 47,7 Millionen Fahrzeugen aus – jedoch mit steigender Tendenz. Die Bundesregierung will darauf aufbauen und gibt als Ziel aus, dass bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollen.  

Doch welche Auswirkungen hat die angestrebte erhöhte Elektromobilität auf den Versicherungsschutz? Diese Frage will die Bundestagsfraktion der FDP nun im Rahmen einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung geklärt wissen. Die Liberalen begründen ihre Anfrage mit einem anderen Brandverhalten von E-Autos gegenüber herkömmlichen Benzinern und Diesel-Fahrzeugen. „In Brand geratene E-Autos benötigen nach heutiger Erfahrung andere Strategien des Löschens“, heißt es in der Anfrage.  

So muss für das Löschen eines E-Autos eine weitaus größere Menge an Wasser verwendet werden. Laut eines Informationsblatts des Herstellers Tesla könnten zur Löschung eines Fahrzeugs des Model S rund 3.000 Liter notwendig sein, berichtet der Bayerische Rundfunk. Ein standardmäßiges Löschfahrzeug der Feuerwehr umfasse jedoch nur 1.600 Liter. Die größte Gefahr für einen Brand entstehe beim Überladen des Akkus, bestätigen ADAC und Feuerwehr gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Würden Akkus zu schnell oder zu stark geladen, könne es zu Kurzschlüssen kommen.  

Um dennoch die Bevölkerung für die Mobilitätswende zu begeistern, sei es nötig, die mit der neuen Antriebstechnik verbundenen Sicherheits- und Haftungsfragen zu klären, heißt es in der kleinen Anfrage weiter. Hierbei gelte es unter anderem zu klären, wer im Fall eines Brandes in einer Tiefgarage wofür haften müsse, wenn beispielsweise

  • Ein Schaden am Gebäude wegen unsachgemäßer Bedienung durch den Fahrzeughalter ausgelöst wird.
  • Das Fahrzeug Ursache für Schaden am Gebäude ist. Die Ladeeinrichtung der Grund für den Schaden ist.
  • Zudem fragen die Liberalen, ob sich die neuen Versicherungsrisiken bereits auf die Versicherungsprämien ausgewirkt habe.  

Die Liberalen gehen davon aus, dass das Thema in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen dürfte. Derzeit würden E-Autos vor allem von Menschen mit höherem Einkommen gefahren, die über eigenes Wohneigentum verfügten. Das dürfte sich aber nach Sicht der FDP ändern. „Es ist nach Ansicht der Fragesteller zu erwarten, dass das private Laden in den nächsten Jahren stärker in die dichten Siedlungsräume mit Mehrfamilienhäusern drängt, wodurch sich die zuerst genannten Probleme verstärken dürften.“  

Auch beim Versicherungsverband GDV hat man das Thema Elektromobilität auf dem Schirm: „Der Verband beschäftigt sich aktiv und spartenübergreifend mit dem Thema Elektromobilität und der dazugehörigen Ladeinfrastruktur. Zu dieser Beschäftigung gehört es auch, neue oder geänderte Risiken zu identifizieren und etwaige versicherungstechnische Schlussfolgerungen zu diskutieren“, teilte ein GDV-Sprecher auf procontra-Nachfrage mit.  

Über konkrete Konsequenzen dieser Diskussion gibt sich der GDV jedoch ausweichend. Der Meinungsbildungsprozess im Verband sei noch nicht abgeschlossen, heißt es lediglich.

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