Die Arbeit im Homeoffice reduziert Stress – erhöht aber den Versicherungsbedarf

Anne Hünninghaus Digital Versicherungen Berater

Während der Corona-Zeit sind viele auf den Geschmack gekommen: Wer zu Hause statt im Betrieb arbeitet, ist entspannter und produktiver, zeigt eine aktuelle Studie. Zugleich gilt es für Unternehmen und Mitarbeiter, ihren Versicherungsschutz an neue Homeoffice-Bedingungen anzupassen.

Laut einer DAK-Studie arbeiten wir zu Hause entspannter und produktiver als im Büro.

Laut einer DAK-Studie arbeiten wir zu Hause entspannter und produktiver als im Büro. Bild: Adobe Stock/Studio Romantic

Schnell noch ein Kaffee vorm Meeting, danach eine schnelle Mahlzeit am Schreibtisch, den nächsten Abgabetermin immer im Nacken. Auf dem Rückweg dann die Kinder einsammeln und schlechten Gewissens noch ein paar Haushaltspflichten erfüllen. So oder so ähnlich sieht für viele Deutsche der Alltag unter der Woche nach wie vor aus. Stress ist die größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts, so die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation. Hält er dauerhaft an, kann zu psychischen Erkrankungen führen. Diese wiederum sind inzwischen Hauptursache für Berufsunfähigkeit. Kommen unregelmäßige Mahlzeiten und zu wenig Bewegung hinzu, werden Stressphänomene noch weiter verstärkt.

Das – zumindest partielle – Arbeiten aus dem Homeoffice hat in den vergangenen Jahren immer weiter an Beliebtheit gewonnen. Sich durch den Wegfall des Arbeitswegs, eine bessere Vereinbarkeit von Job und Privatleben und eine erhöhte Produktivität Stress zu ersparen, ist dabei häufig der Hintergedanke. Dass solche Positiveffekte nicht nur unterstellt, sondern tatsächlich verzeichnet werden können, bestätigt eine aktuelle Umfrage der Institute IGES und Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit.

Stress reduziert sich bei der Arbeit zu Hause um ein Drittel

Arbeitnehmer, die bedingt durch die Corona-Pandemie, erstmalig regelmäßig im Homeoffice sitzen, zeigen eine hohe Arbeitszufriedenheit und berichten von einer verbesserten Work-Life-Balance. Mit knapp 60 Prozent arbeitet die Mehrheit der 7.000 befragten Erwerbstätigen nach eigenen Angaben in den eigenen vier Wänden produktiver als im Büro. Was die Arbeitnehmer vor allem schätzen, ist der Zeitgewinn, weil der Weg zur Arbeit wegfällt (68 Prozent). Ein weiterer Faktor: Viele Erwerbstätige können durch das Arbeiten von zu Hause Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren. Auch dem Nutzen digitaler Möglichkeiten wird ein gutes Zeugnis ausgestellt: Jeder Zweite bewertet die Arbeit mit Laptop, Smartphone und Videokonferenzen als positiv.

Ähnlich positiv bedeutsam wie die Arbeitszufriedenheit ist für die psychische Gesundheit das Stresserleben. Auch hier zeigt sich während der Pandemie eine positive Tendenz: Der Anteil der täglich gestressten Arbeitnehmer ging um 29 Prozent zurück. Waren bei der ersten Befragung im Dezember 2019 noch mehr als ein Fünftel der Befragten meistens oder die ganze Zeit gestresst, verbesserten sich die Zahlen bei der zweiten Umfrage im April: Auf dem Höhepunkt der Krise gaben nur noch 15 Prozent an, unter Druck zu stehen. Wenig verwunderlich ist daher, dass drei Viertel der Befragten auch nach der Corona-Krise – zumindest teilweise – von zu Hause aus arbeiten möchten. 

Fallstricke vermeiden und Versicherungsschutz anpassen

Bei einem fließenden Übergang des privaten und beruflichen Umfelds gilt es allerdings, sich auch über die Absicherung der neuen Risiken Gedanken zu machen. Einbezogen werden sollten Überlegungen zum Versicherungsschutz bei Wege- und Berufsunfällen, zur Haftung und zu Sachgefahren. Was hier als Arbeitsunfall gilt, ist derzeit noch nicht klar definiert, schon der Gang in die Küche ist am Heimarbeitsplatz unter Umständen nicht gesetzlich versichert. Wer regelmäßig im Homeoffice arbeitet, hat in puncto Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherungen besonderen Beratungsbedarf.

Hinzu kommt ein für Unternehmen gestiegenes Risiko für Cyber-Angriffe, wenn die Mitarbeiter möglicherweise von privaten Endgeräten oder unter verminderten Sicherheitsbedingungen von zu Hause aus arbeiten. „Durch die verstärkte Homeoffice-Nutzung entsteht eine stark vergrößerte Angriffsfläche des Unternehmensnetzwerks. Zusätzlich haben Phishing-Angriffe durch die physische Distanz zu Kollegen leichteres Spiel“, erklärte Ole Sieverding, Underwriting Manager Cyber bei Hiscox Deutschland, dazu kürzlich im procontra-Interview.