Deutscher Versicherungsmarkt: Prämien könnten 2020 um knapp fünf Prozent schrumpfen

Anne Hünninghaus Versicherungen

Laut Allianz Global Insurance Report werden sich die Beitragseinnahmen nach massiven Einbrüchen in diesem Jahr aber rasch erholen. Infolge der Corona-Pandemie gehen die Analysten von drei Trends aus.

Laut Allianz könnten die Beitragseinnahmen in Westeuropa durch Corona um 4,7 Prozent schrumpfen.

Laut Allianz könnten die Beitragseinnahmen in Westeuropa durch Corona um 4,7 Prozent schrumpfen. Bild: Adobe Stock/jesada

„Bevor das Corona-Virus unsere Pläne durchkreuzte, war die Versicherungsbranche auf einem guten Weg“, fasst Marktriese Allianz die Effekte des bisherigen Jahres in seinem jüngst erschienen Global Insurance Report zusammen. Und tatsächlich suggerieren die Zahlen und Fakten aus 2019 nun, ein halbes Jahr später, die Wohligkeit einer „guten alten Zeit“. Die Prämien waren global um 4,4 Prozent gestiegen und selbst in Westeuropa, wo das Wachstum leicht darunter lag, konnte der Versicherungsmarkt Beitragseinnahmen in Höhe von 1.063 Milliarden Euro erzielt werden.

Ein halbes Jahr später besteht indes kein Grund mehr für die Branche, Sektkorken knallen zu lassen. Die Allianz prognostiziert, dass die Prämieneinnahmen als Folge der Pandemie weltweit um 3,8 Prozent und in Westeuropa sogar um 4,7 Prozent schrumpfen werden. Für Deutschland erwarten die Experten ein Minus bei den Prämieneinnahmen von 4,9 Prozent gegenüber 2019. In beinahe allen Bereichen – mit Ausnahme der halbwegs stabilen Krankenversicherungen – werde es Rückgänge geben, in der Sachversicherung rechnet man mit einem Minus von 5,2 Prozent, bei den Lebensversicherungen mit einem Minus von 4,7 Prozent. Zum Vergleich: Im Nachhall der Finanzkrise vor zehn Jahren waren die globalen Beitragseinnahmen lediglich um einen Prozentpunkt gesunken.

Der Deutschlandchef des Großmaklers Aon, hatte kürzlich prognostiziert, Corona werde den Versicherungsschutz in Zukunft voraussichtlich teurer machen. Prämiensteigerungen könnten zumindest einen Teil der massiven Verluste kompensieren, die auf die Branche zurollen. Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s schätzt diese auf weltweit mehr als 200 Milliarden US-Dollar.

Optimistischer Blick auf 2021

Alle Hoffnung liegt nun auf dem kommenden Jahr. Für 2021 erwarten die Allianz-Analysten offenbar eine rasche Erholung, eine Rückkehr des Wachstums auf das Niveau des Jahres 2019 könnte demzufolge 2022 erreicht werden.

Mit Blick darauf, wie Corona die Versicherungsbranche langfristig verändern wird, stellen die Analysten drei maßgebliche Trends fest. Der erste ist offensichtlich: Die Pandemie hat der Digitalisierung einen Schub verpasst, sowohl was Serviceleistungen und die Kundenkommunikation als auch was die interne Zusammenarbeit betrifft. Der zweite Trend ist die wachsende Bedeutung von ESG-Kriterien, hier dürfte die Nachfrage steigen. Laut Allianz habe die Corona-Krise gezeigt, dass Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit Hand in Hand gehen. Dieser Schluss ist allerdings gewagt – zuletzt sah es eher so aus, als verdränge die Krisensituation das vorher allgegenwärtige Nachhaltigkeitsthema. Die dritte Prognose betrifft die wachsende Macht des asiatischen Markts. „Für die nächsten Jahre erwarten wir im Reich der Mitte zweistellige Zuwächse bei den Prämien", sagt Allianz-Ökonomin Michaela Grimm. „Bis zum Jahr 2030 wird Chinas Prämienpool um satte 777 Millarden Euro wachsen – das entspricht der Marktgröße von Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien zusammengenommen. China und Asien werden aus der heutigen Krise noch stärker als bisher hervorgehen.“ Der europäische Versicherungsmarkt droht also weiter hinter dem der USA und dem Chinas zurückzufallen.

In Deutschland entfielen im Jahr 2019 auf jeden Versicherten im Schnitt Prämien für Leben- und Sachversicherungen von insgesamt 2.031 Euro. Im internationalen Ranking erreichen wir damit Platz 18 – und liegen weit hinter Honkong (7.915 Euro), Dänemark (5.239 Euro) und der Schweiz (4.972).

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