Corona bewirkt Imageschaden, aber auch Upselling-Potenzial für Versicherer

Martin Thaler Corona Berater Versicherungen Top News

Allerdings liegt für die Versicherer in der Krise auch eine Chance: Denn durch die Krise wurde auch das Bewusstsein vieler Verbraucher für Risiken geschärft. Gefragt nach den Risiken, die sie auf Grund der Erfahrungen aus der Krise in Zukunft gerne stärker absichern würden, nannte jeder dritte Befragte in Deutschland an erster Reiseannullierungen. Doch auch Risiken, wie Krankheit, Arbeitsplatzverlust sowie Zahlungssicherung stehen im Blickpunkt vieler Verbraucher.  

Ein ähnliches Bild zeichnen auch weitere Umfragen: So zeigte zuletzt eine Umfrage der Nürnberger Versicherung, dass insbesondere junge Menschen die Themen Arbeitskraftabsicherung, Gesundheit sowie Altersvorsorge mittlerweile stärker gewichten: So gaben unter anderem 22 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an, dass das Risiko, berufsunfähig zu werden, durch die Krise spürbarer geworden sei.  

Die Swiss Life vermeldete unterdessen im gleichen Tenor, dass sich im März und April dieses Jahres die Zahl der abgeschlossenen Altersvorsorgeverträge um 34 Prozent gesteigert habe. „Die Menschen suchen gerade in diesen verunsichernden Zeiten nach finanzieller Selbstbestimmung“, schlussfolgerte Swiss-Life-Deutschland-CEO Jörg Arnold.  

Angst vor Online-Identitätsdiebstählen

Laut Guidewire-Umfrage scheint auch die Gefahr von Online-Identitätsdiebstählen von den Kunden stärker in den Blickpunkt gerückt sein. 12 Prozent der Befragten zeigten sich offener für eine entsprechende Absicherung. Allerdings gebe es eine riesige Kluft zwischen Risikobewusstsein und bisheriger Absicherung: Obwohl 86 Prozent der Deutschen angaben, dass die Sicherheit ihrer Online-Identität ihnen wichtig oder sogar sehr wichtig sei, besitzen nur sechs Prozent der Befragten eine entsprechende Versicherung.  

Laut Zahlen des Versichererverbands GDV betrug der Gesamtbestand an Cyber-Versicherungsverträgen im Jahr 2018 lediglich 50.000 Policen. Gemäß vorläufigen Zahlen ist der Bestand 2019 auf 60.000 Verträge leicht angewachsen – hier werden allerdings gewerbliche und private Cyber-Versicherungen zusammengerechnet. Dies könnte sich in den kommenden Monaten ändern, zeigte sich zuletzt auch die Kölner Ratingagentur Assekurata überzeugt. Während die Analysten in den meisten Sparten der Schaden-/Unfallversicherung mit nur geringem Neugeschäftspotenzial rechnete, wurde der Cyber-Versicherung ein erhöhtes Vertriebspotenzial bescheinigt. Vor allem die Homeoffice-Regelungen hätten die Gefahr für Unternehmen erhöht, über ihre Mitarbeiter Opfer von Cyber-Attacken zu werden - entsprechend dürfte die Nachfrage nach entsprechenden Versicherungen in der nahen Zukunft ansteigen, ist man bei Assekurata überzeugt.

Nichtsdestotrotz birgt die Krise aus Sicht von Guidewire für Versicherer, aber auch Vermittler ein großes Upselling-Potenzial. „Die Pandemie hat die Menschen für gesteigerte Risiken, denen sie ausgesetzt sind, sensibilisiert. Für die Versicherer liegt hier eine große Chance – vorausgesetzt, sie schaffen es, sich schnell auf die veränderten Kundenbedürfnisse einzustellen“, glaubt René Schoenauer, Director Product Marketing EMEA bei Guidewire. „Wir sind optimistisch, dass der Schock des erzwungenen Wandels für die gesamte Branche ein Katalysator für die Transformation sein wird.“

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