Corona beeinflusst bAV-Bereitschaft bislang kaum

Martin Thaler Berater Versicherungen

Die wirtschaftliche Verunsicherung schlägt sich einer neuen Studie zufolge nur gering auf die Bereitschaft zur Entgeltumwandlung aus. Diese lässt sich durch Maßnahmen der Arbeitgeber merklich fördern.

Betriebliche Altersversorgung

Bei der Bereitschaft zur betrieblichen Altersversorgung mittels Entgeltumwandlung hat die Corona-Krise bislang kaum Auswirkungen gezeigt. Bild: Adobe Stock/Zarya Maxim

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Altersvorsorge, genauer die betriebliche Altersversorgung, der Deutschen aus? Im Juni war die LV 1871 dieser Frage nachgegangen und hatte im Rahmen einer Umfrage eine große Unsicherheit innerhalb der Bevölkerung festgestellt.  

Laut Umfrage schätzten 20 Prozent der Befragten die betriebliche Altersversorgung angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation als unsicher ein – die damaligen Diskussionen um die Einstellung der Betriebsrenten bei Opel und Galeria Kaufhof dürften hier ihre Spuren hinterlassen haben. Praktisch genauso viele (19 Prozent) bewerteten die Betriebsrente hingegen als sicher. 40 Prozent gaben sich zudem überzeugt, dass die Corona-Krise einen mittleren bis sehr großen Einfluss auf die Sicherheit der bAV hat.

Der Verunsicherung vieler Arbeitnehmer zum Trotz hat die Corona-Krise bislang nur geringe Auswirkungen auf das Entgeltumwandlungsverhalten, wie eine Untersuchung des Risikoberaters Aon zeigt. Von den 67 befragten Unternehmen aus verschiedenen Branchen gaben lediglich fünf Prozent an, dass die Beschäftigten die Entgeltumwandlung in geringerem Maße nutzten. Vier Prozent erklärten hingegen, dass ihre Arbeitnehmer die Entgeltumwandlung hingegen sogar stärker in Anspruch nehmen würden als vor der Krise. Die überwältigende Mehrheit (77 Prozent) stellte hingegen keinerlei Veränderungen fest.  

Die Aon-Erhebung kam darüber hinaus zu dem Schluss, dass immer mehr Unternehmen ihre Angestellten dabei unterstützen, eine betriebliche Altersversorgung über Entgeltumwandlung aufzubauen. So gewährten von den 67 Unternehmen knapp zwei Drittel (64 Prozent) einen Arbeitgeberzuschuss.  

Unbürokratische Lösungen gefragt

Hierbei stehen vor allem unbürokratische Lösungen im Vordergrund: Bevorzugt werden Festbeträge oder pauschale Beteiligungen am Umwandlungsbetrag. Lediglich ein Viertel der Unternehmen wählt den im Betriebsrentenstärkungsgesetz vorgesehen Weg, die tatsächlich eingesparten Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung zu errechnen. Seit 2019 muss der Arbeitgeber bei Neuverträgen, sofern er Sozialversicherungsbeiträge spart, pauschal 15 Prozent des Umwandlungsbeitrags in den bAV-Vertrag seines Angestellten als Zuschuss einzahlen. Bei bestehenden Verträgen gilt diese Regelung ab 2022.  

Die Zuschüsse zeigen dabei Wirkung: So erreichen ungefähr zwei Drittel der Unternehmen, die die Entgeltumwandlung bezuschussen, eine Mitarbeiterbeteiligung von über 25 Prozent. Bei Unternehmen, die keine Zuschüsse gewähren, schaffte dies nur ein Drittel.

Ein wesentlicher Punkt für die Mitarbeiterbeteiligung ist darüber hinaus die richtige Kommunikation – wenn Unternehmen für die Entgeltumwandlung werben, steigt bei ihren Mitarbeitern die Teilnahmebereitschaft. Ein Großteil der Unternehmen setzt hierbei bevorzugt auf Erinnerungsnachrichten per Mail, individuelle Beratungsgespräche, Mitarbeiterveranstaltungen und Broschüren.  

Ob die Mitarbeiter mit dem Abschluss einer bAV es jedoch schaffen, ihre jeweiligen Versorgungsziele zu erreichen, wird nur von den wenigsten Unternehmen überprüft. Gerade einmal 17 Prozent der Unternehmen haben laut Aon-Erhebung den Versorgungsgrad ihrer Mitarbeiter im Blick. „Hier wäre es eine einfache und pragmatische Lösung, im Rahmen einer Prognose zu ermitteln, ob der durchschnittliche Mitarbeiter unter den gegebenen Prämissen überhaupt eine Möglichkeit hat, sein Versorgungsziel zu erreichen”, empfiehlt Studienleiterin Angelika Brandl.  „Obwohl wir noch keine konkreten Auswirkungen der Corona-Krise auf die Entgeltumwandlung feststellen konnten, ist davon auszugehen, dass Arbeitnehmer eine solche Form der Unterstützung durch ihren Arbeitgeber sehr schätzen würden.”

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