Bundesregierung konkretisiert Renteninformations-Pläne

Martin Thaler Berater Versicherungen

Die Schaffung einer digitalen Rentenübersicht soll die Deutschen bei der Altersvorsorge unterstützen. Losgehen könnte es im Jahr 2022. Private Anbieter sind hier schon weiter.

Renteninformation

Für die geplante säulenübergreifende Renteninformation liegt nun ein erster Gesetzesentwurf aus dem BMAS vor. Bild: Pixabay/naobim

Wie viel Geld steht mir im Alter zur Verfügung? Die meisten Menschen wissen nicht, wie hoch ihre Rente im Alter ausfallen wird. Dies erschwert die eigene Altersvorsorge merklich, so dass die Bundesregierung Hilfestellung bei der Beantwortung geben möchte. Man müsse mehr Transparenz schaffen, „damit die Menschen wissen, was sie im Alter tatsächlich zur Verfügung haben“, erklärte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gegenüber der Augsburger Allgemeinen Zeitung.  

Geplant ist eine säulenübergreifende Renteninformation: Jeder Bürger soll sich auf einer zentralen Online-Plattform darüber informieren können, was er an Rente zu erwarten hat – ganz gleich, ob als gesetzliche Rente, Betriebsrente oder Privatvorsorge.  

Erster Gesetzesentwurf

Nun gibt es offenbar von Seiten des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) einen ersten, noch nicht zwischen den einzelnen Ministerien abgestimmten Gesetzesentwurf, aus dem das „Handelsblatt“ berichtet. Dieser sieht eine Erprobungszeit von 21 Monaten für das neue System vor – als Startpunkt ist das Inkrafttreten des Gesetzes geplant. Das bedeutet: Einigt sich die Große Koalition noch in diesem Jahr auf ein entsprechendes Gesetz, könnte die digitale Renteninformation im Herbst 2022 starten.  

Zunächst ist laut Gesetzesinformation eine einjährige Pilotphase vorgesehen, bevor dann der Regelbetrieb im Oktober 2023 starten soll. Zunächst ist die Teilnahme den einzelnen Vorsorgeeinrichtungen und Versicherungen jedoch freigestellt – sie können selbst entscheiden, ob sie der Plattform Informationen zur Verfügung stellen.  

Allerdings behält sich die Bundesregierung vor, die Versicherungen und Leistungserbringer per Verordnung verpflichten zu können, Daten an das Portal zu übermitteln. Die hierfür anfallenden Kosten sollen von den Leistungserbringern selber getragen werden.  

Zwar soll die digitale Renteninformation den Bürgern die eigene Altersvorsorge erleichtern und diese auch zur zusätzlichen Altersvorsorge animieren – verbindlich sind die zur Verfügung gestellten Informationen allerdings nicht, eine Gewähr für die Richtigkeit wird nicht übernommen. „Aus der Zusammenfassung von erreichten und erreichbaren Werten in einem Gesamtüberblick können keine Ansprüche gegen die Vorsorgeeinrichtungen oder die Zentrale Stelle für die Digitale Rentenübersicht abgeleitet werden“, zitiert das Handelsblatt aus dem Gesetzesentwurf.  

Allianz geht mit Rentenkompass voran

Während die Bundesregierung noch in der Abstimmungs- und Findungsphase verweilt, hat im Juni bereits die Allianz und damit Deutschlands größter Lebensversicherer ein ähnliches Angebot lanciert. Der „Rentenkompass“ soll den Nutzern anzeigen, wie viel Geld sie nach jetzigem Stand im Alter zur Verfügung haben werden. Neben der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersversorgung und privaten Altersvorsorgeverträgen sollen auch Immobilien sowie weitere Kapitalanlagen wie Aktien oder Fonds eingerechnet werden. Laut Angaben der Allianz hatten sich bereits über 68.000 Kunden angemeldet.  

Im Gegensatz zur staatlichen Renteninformation bietet der Rentenkompass der Allianz zudem die Möglichkeit, bei aufgezeigten Versorgungslücken ein Beratungsgespräch zu vereinbaren – hier werden jedoch in erster Linie Allianz-Vertreter als Ansprechpartner vorgeschlagen. „Bei der Vermittlung von Beratungsgesprächen haben wir die eigenen Vertreter im Fokus“, erklärte Alf Neumann, Vorstandsmitglied der Allianz Lebensversicherung, gegenüber procontra.  

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