BiPro-Schnittstellen: Was sie bringen, wo es hakt und warum

Michael Fiedler MVP Digital

An den Schnittstellen entscheidet sich, ob ein Maklerverwaltungsprogramm (MVP) nützt oder nicht. Die Brancheninitiative Prozessoptimierung (BiPro) soll solche Schnittstellen durch Normierung ermöglichen. Wo es hakt und warum.

Was sie bringen, wo es hakt und warum

Kein MVP ohne BiPro-Schnittstelle? Doch wo hakt es noch und warum? Symbolbild: pixabay

Die Brancheninitiative Prozessoptimierung (BiPro) ist in ihren Anfängen um das Jahr 2004 gestartet, um auch die Zusammenarbeit zwischen Maklern und Versicherern zu vereinfachen.

„Die aktuell am meisten – und für MVP relevante – umgesetzte BiPro 430 Norm dient dazu, die aktuelle „Maklerpost“ mit den entsprechenden Geschäftsvorfällen digital zur Verfügung zu stellen, damit das MVP oder CRM des Maklers die Daten und Dokumente einfach verarbeiten und ‚teilautomatisiert‘ ablegen kann“, erklärt Stefan Stein, Projektkoordinator vom VSP Software Portal.

Doch was einfach klingt, kann in der Praxis zum Problem werden. Etwa 120 relevante Versicherungsunternehmen und ca. 80 MVP-Anbieter tummeln sich im Markt. „Wir sprechen also von 9.600 Schnittstellen, die erstellt und gepflegt werden müssen. Eine immense Aufgabe für eine Branche mit sehr engen Entwicklungskapazitäten“, skizziert Stein das Problem. Großen Versicherern fällt es leichter, bei der technischen Umsetzung Schritt zu halten. Kleinere Versicherer und MVP-Anbieter scheitern allein schon an den fehlenden Ressourcen. Deshalb biete nicht jeder Versicherer und jedes MVP alle BiPro-Schnittstellen. Das kann mitunter dazu führen, dass Normen entwickelt werden, die es gar nicht in die praktische Umsetzung schaffen. Schlichter Grund: Es finden sich keine Abnehmer. Ärgerlich, wenn knappe und wertvolle Entwicklerressourcen darauf verwendet werden, Schnittstellen zu programmieren, die niemand nutzen kann. Versicherer, die sich mit einer besonderen Schnittstelle einen Wettbewerbsvorteil erhoffen, könnten so recht schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden. Es gilt der Merksatz: „Baue keine Schnittstelle ohne vorher ihren Anwender zu kennen.“

Datenqualität entscheidet

Doch Stefan Stein nennt gegenüber procontra weitere Probleme: „Die Daten der BiPro-Lieferung sind auch heute bei weitem nicht gleich und schon gar nicht vollständig. Diese Problematik ist aus den GDV-Datensätzen schon bekannt. Bei manchen Versicherern ist sogar die BiPro-Lieferung für verschieden Sparten unterschiedlich wie beispielsweise bei der Dialog Versicherung. Auch das Einrichten beziehungsweise Umstellen von Portalabholung oder Briefpost auf digitale Services stellt sich bei vielen Versicherern als ziemlich mühsam und umständlich dar. Hier mag mancher Marktteilnehmer irgendwann resigniert aufgeben.“ Aus Sicht von Stein könnte eine Lösung darin bestehen, verschiedene Datenquellen und Datenformate (BiPro, Non BiPro, Portalabholung, proprietäre Schnittstellen, GDV-Daten) zu nutzen und die Datensätze miteinander zu verschmelzen, um eine maximale Datentiefe zu erreichen (mappen und clearen). Der dann entstehende Datensatz hätte die maximal mögliche Information und wird konsistent über eine Standardschnittstelle zum MVP geliefert. „Auf diesem Weg können unabhängig von der Beschaffungsquelle normierte valide Daten verarbeitet werden. Ganz unabhängig davon ob der Produktanbieter ‚BiPro spricht`“, so Stein.

Wie der Stand bei BiPro ist, sollte besser ein eigener Themenschwerpunkt auf procontra beleuchten. Allerdings lebt BiPro vom Mitmachen. Wenn nun neue „übergeordnete“ Initiativen versuchen, zwischen BiPro und Anwendern zu vermitteln, besteht die Gefahr, dass BiPro nicht die notwendige Dynamik beibehalten kann, um wirklich Branchenstandards zu setzen und die Bemühungen letztlich ins Leere laufen.

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