Bedarf unser Pflegesystem eines Umbaus?

Versicherungen von Redaktion

Contra: „Kapitalgedeckte Zusatzvorsorge ist preiswerter, als die Menschen denken“

Bild: Debeka Krankenversicherung

Roland Weber, Vorstandsmitglied der Debeka Krankenversicherung VVaG

Aus guten Gründen wurde vor 25 Jahren die Pflegepflichtversicherung nach der Regel „Pflege folgt Kranken“ eingeführt. Für GKV-Versicherte wurde also die Soziale Pflegeversicherung (SPV) im Umlageverfahren geschaffen, für PKV-Versicherte die Pflegepflichtversicherung im Kapitaldeckungsverfahren.

Eine Analyse der Beitragsentwicklung in der Privaten und der Sozialen Pflegepflichtversicherung in den letzten 25 Jahren zeigt: Die Beiträge der Privaten Pflegeversicherung stiegen um ca. 150 Prozent, während sie in der Sozialen um mehr als 400 Prozent zulegten – bei gleichem Leistungskatalog.

Für die Absicherung des Pflegerisikos ist ein jahrzehntelanger Sparprozess also weitaus besser geeignet als ein Umlageverfahren. Das ist nicht verwunderlich, denn das Risiko, Pflegefall zu werden, realisiert sich ja weitestgehend erst zum Lebensende hin.

Die Kapitaldeckung ist dem Umlageverfahren nachhaltig überlegen!

Schon die jetzige Teilkasko-Pflegeversicherung ist nur in der PKV demografiefest finanziert, wogegen in der SPV seit ihrer Einführung 1995 versteckte Schulden zu Lasten der jüngeren Generationen in Höhe von 435 Milliarden Euro aufgelaufen sind. In diesem erschreckend hohen Umfang sind schon die heutigen Teilkasko-Leistungsversprechen für unsere alternde Gesellschaft durch heutige Beitragszahlungen nicht gedeckt. Private Eigenvorsorge ist also weiterhin notwendig und wichtig.

Um die nachfolgenden Generationen nicht zu überlasten, sollten zusätzliche Pflegeleistungen daher nicht dem Umlageverfahren der SPV auferlegt, sondern durch kapitalgedeckte Vorsorge abgesichert werden. Diese kapitalgedeckte Eigenvorsorge ist viel billiger, als die Menschen denken: Wir wissen aus einer Allensbach-Umfrage vom Juni 2019, dass die Vermutung der Menschen, was eine gute Pflege-Vorsorge pro Monat kostet, im Schnitt 161 Euro beträgt – und die Obergrenze, wie viel man individuell für eine Pflege-Vorsorge ausgeben könne, im Schnitt 77 Euro im Monat.

Mit Pflegezusatzversicherungen lässt sich die „Pflegelücke“ zwischen den gesetzlichen Teilkaskoleistungen und den realen Kosten heute schon zu bezahlbaren Preisen vollständig schließen.

Wer die gesetzlichen Leistungen bei ambulanter Pflege verdoppeln und im Fall stationärer Pflege den durchschnittlichen Eigenanteil von monatlich rund 2.000 Euro vollständig absichern will, findet hierfür Pflegezusatzversicherungen schon zu geringen monatlichen Beiträgen. So zahlt ein Versicherter, der mit 25 Jahren eine solche Pflegezusatzversicherung abschließt, ca. 20 Euro pro Monat. Selbst ein Abschluss mit 55 Jahren ist für einen Beitrag ab 89 Euro pro Monat zu haben. Auch hier gilt also: Je früher der Abschluss, umso besser!

Fazit: Es bedarf keines Ausbaus der Pflegeversicherung in Richtung einer „Vollkaskoversicherung“. Das bestehende Pflege-System lässt sich stattdessen ohne große Reform-Risiken stabilisieren, indem mehr Pflegeleistungen durch kapitalgedeckte und bezahlbare Vorsorge abgedeckt werden. Es wäre solide, generationengerecht und für den Einzelnen gut tragbar. Und wenn die Politik dazu noch intelligente Anreize zur Vorsorge setzen würde (z.B. betriebliche Pflegezusatzversicherung, Steuerabzug für Beiträge etc.), wären wir auf einem guten Weg – für die Gesamtgesellschaft und für den Einzelnen.

Seite 1: Pro: Pia Zimmermann
Seite 2: Contra: Roland Weber

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