BdV-Solvenzstudie: „Fehlerhaft und intransparent“

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Kritik an seinem Berechnungsmodell muss sich der Analyst auch vom GDV gefallen lassen. Ausschlaggebend für eventuelle Aufsichtsmaßnahmen sei die gemeldete Solvenzquote, also das Verhältnis aus anrechenbaren Eigenmitteln zu Kapitalanforderungen. „Alle deutschen Lebensversicherer haben eine Quote über 100 Prozent, kein Unternehmen ist also pleite“, relativierte der Gesamtverband gestern in einem Statement die aufmerksamkeitsstarken Aussagen Zielkes und des BdV.

Die in der Analyse verwendete Kennzahl „Gewinnerwartung“ sei zudem irreführend, da sie keine Aussage zu künftigen Gewinnen der Gesellschaft erlaube. Vielmehr sei der Anteil der ermittelten künftigen Gewinne, die den künftigen Prämienzahlungen zugeordnet werden können, von den Lebensversicherern bereits in ihren Eigenmitteln berücksichtigt worden. Der GDV betont: „Der Unternehmensgewinn und die Überschussbeteiligung für die Versicherten werden auch weiterhin nach der handelsrechtlichen Bilanzierung ermittelt. Im Branchenmittel werden die Versicherten zu über 95 Prozent an den Kapitalerträgen, Risiko- und Kostengewinnen der Lebensversicherer beteiligt.“

Zielke kontert. Zu behaupten, die Kenngröße „Gewinnerwartung“ habe keine Aussagekraft, würde die gesamte Modellierung im Standardmodell unter Solvency II infrage stellen. Schließlich würde inzwischen ein Großteil der Solvenz aus heutigen Annahmen für das zukünftige Geschäft bestehen. Laut dem Analysten handelt es sich natürlich nur um eine Momentaufnahme. Jedoch würde sie die langfristige Gewinnerwartungssituation zu diesem Zeitpunkt darstellen.

„die bayerische“ prüft rechtliche Schritte gegen Zielke und BdV

Auch die Versicherungsgruppe „die bayerische“ kommt in der BdV-Solvenzanalyse nicht gut weg. Sie zählt demnach zu den 16 Anbietern mit einer reinen Solvenzquote von unter 100 Prozent. Die Studie würde einige Zahlen aber grob fahrlässig interpretieren und daraus falsche Schlussfolgerungen ziehen, heißt es von Seiten des Münchener Versicherers.

Vielmehr seien Eigenkapital und Sicherungsmittel der Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G. in den letzten Jahren überdurchschnittlich gestiegen. Die Ertragsaussichten des Unternehmens würden zudem deutlich besser aussehen als bei vielen anderen Lebensversicherern.

„Durch diese fehlerhafte Studie sehen wir uns absurden Unterstellungen ausgesetzt, die unsere Kunden verunsichern und geschäftsschädigend sein können“, sagte heute Dr. Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen. „Dagegen wehren wir uns entschieden und prüfen rechtliche Schritte.“

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