BdV-Solvenzstudie: „Fehlerhaft und intransparent“

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Die Solvenzanalyse vom Bund der Versicherten und Zielke Research erfährt heftigen Gegenwind. Die Huk-Coburg kritisiert handwerkliche Fehler, der GDV spricht von Irreführung und „die Bayerische“ prüft bereits rechtliche Schritte.

Die Lebensversicherer sind entsetzt von der Solvenzanalyse des BdV. Von handwerklichen Fehlern ist die Rede und auch rechtliche Schritte gegen die Verbraucherschützer werden bereits geprüft.

Die Lebensversicherer sind entsetzt von der Solvenzanalyse des BdV. Von handwerklichen Fehlern ist die Rede und auch rechtliche Schritte gegen die Verbraucherschützer werden bereits geprüft. Bild: Adobe Stock / yuriyzhuravov

Mit ihrer diesjährigen Auswertung der Solvenzberichte der deutschen Lebensversicherer haben der Bund der Versicherten (BdV) und Zielke Research Consult (ZRC) für enormes Aufsehen gesorgt. Nicht nur innerhalb der Versicherungsbranche, sondern auch in den Publikumsmedien und damit direkt bei den Kunden. Die Bild-Zeitung titelte in ihrer Montagsausgabe: „Lebensversicherer wackeln – was Sie jetzt tun müssen“.

BdV und Zielke kommen in ihrer Analyse zu dem Ergebnis, dass 22 der 84 untersuchten Versicherer entweder eine zu geringe Zahlungsfähigkeit oder eine negative Gewinnerwartung haben. „Die Branche driftet auseinander. Mehr als ein Viertel der untersuchten Unternehmen hat ernste Probleme“, kommentierte BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein.

Besonders schlecht kommt eine der Marktgrößen weg, die Huk-Coburg-Lebensversicherung. Laut den Verbraucherschützern ging ihre reine Solvenzquote, das heißt ohne Übergangsmaßnahmen, von 249 Prozent im Jahr 2018 auf 94 Prozent im Jahr 2019 zurück. Damit habe sie nicht nur die marktweit größte negative Veränderung zu tragen (-155 Prozentpunkte), sondern sei auch unter die kritische Grenze von 100 Prozent gesunken.

„Handwerkliche Fehler“

Die Coburger streiten dieses Attest vehement ab. „Herrn Zielke sind handwerkliche Fehler im Umgang mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen unterlaufen“, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens auf procontra-Nachfrage. Begründet wird dies damit, dass die Verbraucherschützer bereitstehendes Eigenkapital der Huk-Coburg-Lebensversicherung in Höhe von 765 Millionen Euro nicht berücksichtigt haben. Diese Nichtanrechnung stünde im direkten Widerspruch zu den gesetzlichen Regeln von Solvency II.

Tatsächlich würde die reine Solvenzquote der Huk-Coburg-Lebensversicherung 125 Prozent betragen und mit Übergangsmaßnahmen sogar 293 Prozent, so die Sprecherin. Für den fränkischen Versicherer ist es nicht nachvollziehbar, „warum im Rating für einzelne Gesellschaften in der reinen Solvenzquote mehr oder weniger willkürlich Eigenmittel gekürzt werden, während bei anderen anscheinend die Quote ohne Übergangsmaßnahmen durch Anrechnung eben dieser Übergangsmaßnahmen erhöht wird.“ Unter dem Strich hält man bei der Huk-Coburg das ganze Rating von Zielke und BdV für „fehlerhaft und intransparent“.

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