bAV: Versicherer sind unter Zugzwang

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz soll auch Geringverdienern den Einstieg in die betriebliche Vorsorge erleichtern. Doch deren aktuelle Zahlen bleiben hinter den Erwartungen der Politik zurück. Nun ist es an den Versicherern, mehr Beitragszahler zu gewinnen.

Versicherer und Vermittler stehen vor der Aufgabe, mehr Unternehmen die attraktiver gewordene bAV schmackhaft zu machen

Versicherer und Vermittler stehen vor der Aufgabe, mehr Unternehmen die attraktiver gewordene bAV schmackhaft zu machen. Bild: Adobe Stock/Chalabala

Mehr Geringverdienern Zugang zur betrieblichen Altersversorgung zu ermöglichen war eines der Ziele des Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG). An das von der großen Koalition geschnürte Reformpaket, das seit Anfang 2018 in Kraft ist, waren hohe Erwartungen geknüpft. Teils wurden dieser erfüllt, aber gerade beim Personenkreis, dere am dringlichsten vorsorgen sollte, gibt es noch großen Nachholbedarf.

Dabei bekommen Arbeitnehmer, die im Monat weniger als 2.200 Euro brutto verdienen, seit nun zwei Jahren erleichterte Bedingungen, an der zweiten Säule der Altersvorsorge teilzuhaben. Gerade von diesen war in der Vergangenheit nämlich immer wieder zu hören, dass sie eine bAV zwar begrüßten, ihnen aber das Geld für die monatlichen Beiträge fehle. Dieses Problem lindern soll ein Förderbetrag, den Arbeitgeber für sie jährlich an einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder für eine Direktversicherung zahlen – und den der Staat mit 30 Prozent bezuschusst.

Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts haben diese Förderung im Jahr 2018 knapp 50.000 Arbeitgeber in Deutschland für 680.000 ihrer Beschäftigten erhalten. In den meisten Fällen wurden damit bAV-Verträge innerhalb großer Unternehmen gefördert. Bei den Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Festangestellten nutzten hingegen nur 1,7 Prozent der rund 1,4 Millionen Betriebe den Förderbetrag. Vor allem in Unternehmen mit wenigen Beschäftigten ist die bAV-Verbreitung laut Daten aus dem Bundesarbeitsministerium gering und sollte durch das BRSG gestärkt werden.

Hohe Erwartungen an Arbeitgeber und Versicherer

Zu den ausbaufähigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes äußerte sich nun auch die Politik. Da gerade Geringverdiener besonders auf diese Form der Altersvorsorge angewiesen seien, habe man eine rein arbeitgeberfinanzierte Form der Altersversorgung geschaffen, so der arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Peter Weiß. "Um diese noch attraktiver auszugestalten, haben wir mit den Grundrentengesetz den Förderbetrag verdoppelt und auch den Kreis der Berechtigten ausgeweitet. Wir erwarten nun von den Arbeitgebern, dass sie diese Form der betrieblichen Altersversorgung noch stärker als bisher anbieten."

Mit der Verabschiedung der Grundrente ging auch eine Erhöhung des Förderbetrags für Geringverdiener  von bislang 144 auf maximal 288 Euro. Auch der Kreis der Förderfähigen wurde erweitert - statt bei 2.200 Euro liegt die Einkommensgrenze nun bei 2.575 Euro.

Die klare Aufforderung, verstärkt tätig zu werden, lässt sich auch als Signal an die Vermittler und Versicherer richten. Denn wenn die bisher getroffenen Reformmaßnahmen weiterhin nicht fruchten, steht seit geraumer Zeit die Option einer obligatorischen, staatlich geregelten Betriebsrenten-Lösung im Raum. Das würde bedeuten, dass der Abschluss einer bAV in Arbeitsverträgen standardmäßig enthalten wäre, solange der Mitarbeiter ihr nicht aktiv widerspricht.

Insbesondere bei Unternehmen mit wenigen Beschäftigten besteht zudem weiterhin offensichtlicher Beratungsbedarf. „Angestellte in kleinen Unternehmen gucken in die Röhre. Sie profitieren häufig nicht von dem neuen Gesetz. Unterm Strich steht: Das Ziel des Gesetzgebers wurde verfehlt“, so die harsche Kritik von Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gegenüber monierte sie, breite Bevölkerungsgruppen seien von einer Betriebsrente ausgeschlossen. Im sich bislang als Ladenhüter erweisenden Sozialpartnermodell trügen zudem nur die Arbeitnehmer das Kapitalanlagerisiko. "Angestellte in kleinen Unternehmen gucken in die Röhre. Sie profitieren häufig nicht von dem neuen Gesetz. Unterm Strich steht: Das Ziel des Gesetzgebers wurde verfehlt", mahnte Bentele.

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