Angestellter Außendienst: „Tarifvertrag ist ein Bild des Jammers“

Florian Burghardt Versicherungen

Von der unbeteiligten Gewerkschaft NAG kommt massive Kritik am neuen Tarifabschluss für die rund 32.000 Arbeitnehmer im Angestellten Außendienst. Diese erhalten zwar bald mehr Geld, doch laut der NAG bleibt das gravierende Nachwuchsproblem unangetastet.

Die Beteiligten hätten mit dem neuen Tarifvertrag eine Chance verpasst, der permanent abnehmenden Attraktivität der Tätigkeit im angestellten Versicherungsvertrieb entgegenzuwirken, kritisiert die Neue Assekuranz Gewerkschaft.

Die Beteiligten hätten mit dem neuen Tarifvertrag eine Chance verpasst, der permanent abnehmenden Attraktivität der Tätigkeit im angestellten Versicherungsvertrieb entgegenzuwirken, kritisiert die Neue Assekuranz Gewerkschaft. Bild: Adobe Stock / fizkes

Die rund 32.000 Arbeitnehmer im Angestellten Außendienst der deutschen Versicherer erhalten ab dem 01. November 2020 mehr Geld. Für die Angestellten des Werbeaußendienstes in den ersten beiden Jahren ihrer Unternehmenszugehörigkeit gibt es 1,9 Prozent mehr. Ihr monatliches Brutto-Mindesteinkommen (unabhängig von Provisionen) beträgt dann 2.150 Euro. Zum 01. November 2021 wird es dann um weitere 1,4 Prozent und zum 01. November 2022 um 1,38 Prozent steigen.

Ab dem dritten Jahr der Unternehmenszugehörigkeit erhöht sich das Mindesteinkommen auf 2.085 Euro (+1,71 Prozent). Zu den genannten Stichtagen erhalten sie 1,2 und 1,18 Prozent mehr. Hintergrund der Staffelung ist, dass von den angestellten Verkäufern mit zunehmender Unternehmenszugehörigkeit eine steigende Akquise erwartet wird.

Der organisierende Außendienst erhält ab dem 01. November 2020 monatlich 2.575 Euro (+1,78 Prozent) und dann weitere 1,36 und 1,34 Prozent. Darauf haben sich am Freitag der Arbeitgeberverband der Versicherer (AGV) und die Gewerkschaften ver.di, DHV und DBV in der ersten Verhandlungsrunde verständigt.

NAG spricht von verpasster Chance

Kritik an der Einigung kam heute von einer an den Verhandlungen unbeteiligten Partei. Die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) bezeichnet den neuen Tarifabschluss als „ein Bild der Lustlosigkeit und des Jammers“. Die Vorsitzende der verhältnismäßig kleinen Gewerkschaft, Gaby Mücke, sagte: „Wieder einmal haben die Tarifpartner die Chance verpasst, der permanent abnehmenden Attraktivität der Tätigkeit im angestellten Versicherungsvertrieb entgegenzuwirken.“

Ihren Vorwurf, die Beteiligten würden inzwischen nicht einmal mehr den Anschein wahren, sich für die Belange der Kolleginnen und Kollegen einsetzen, begründet Mücke darin, dass man sich schon in der ersten Verhandlungsrunde geeinigt habe und auch nach Auslaufen des alten Tarifvertrags 10 Monate ohne Erhöhung in Kauf genommen habe. Um solche „Nullmonate“ wird für gewöhnlich länger gefeilscht.

Gravierendes Nachwuchsproblem

Aus Sicht der NAG wurden dringend benötigte Modernisierungen am Manteltarifvertrag nicht vorgenommen. Wie man angesichts der nun geschaffenen Ausgangssituation gute und junge Leute von einer beruflichen Laufbahn im angestellten Versicherungsvertrieb überzeugen wolle, sei aus Sicht der Gewerkschaft fraglich.

Der angestellte Außendienst habe, laut Mücke, gravierende Nachwuchsprobleme, die man angehen müsse. Die lange Laufzeit bis Ende 2022 spreche aus ihrer Sicht aber dafür, dass man eigentlich gar nicht mehr miteinander um zukunftsgerechte Tarifverträge verhandeln wolle.

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