Wohnatlas: Hier gibt es massive Preisaufschläge für Neubauten

Anne Hünninghaus Sachwerte Versicherungen

In eine Bestandsimmobilie investieren oder lieber in eine moderne Wohnung? Eine aktuelle Studie gibt Aufschluss darüber, in welchen deutschen Regionen die Preisunterschiede am größten sind.

Alt- oder Neubau? Diese Entscheidung ist in vielen Regionen auch eine Frage des Geldbeutels.

Alt- oder Neubau? Diese Entscheidung ist in vielen Regionen auch eine Frage des Geldbeutels. Bild: Adobe Stock/Animaflora PicsStock

Die Wahl zwischen Neubau oder Gebrauchtimmobilie ist in vielen Regionen eine Frage des Geldbeutels. Wer beispielsweise in Stuttgart eine 70-Quadratmeter-Wohnung im oberen Preissegment kaufen möchte, kann 215.000 Euro sparen – wenn er sich für einen Bestandsbau statt für eine neue Immobilie entscheidet. Das macht die süddeutsche Stadt zum Spitzenreiter unter den deutschen Großstädten, wenn es um die Kostendifferenz geht.

Zu diesem Ergebnis kommt der Postbank Wohnatlas 2020, für den das Hamburgische WeltwirtschaftsInstitut (HWWI) die Immobilienangebote in 401 kreisfreien Städten und Landkreisen untersucht hat. Die Analyse offenbart die regionalen Preisabstufungen zwischen Eigentumswohnungen im Bestand und Neubauobjekten, die zwischen 2017 und 2019 fertiggestellt wurden.

Preisdifferenzen zwischen Alt- und Neubauten

StadtBestandNeubauDifferenz mittleres PreissegmentDiff. oberes Preissegment
Stuttgart4.3616.731165.949214.547
Düsseldorf3.8196.143162.673232.487
Frankfurt a. M.5.1387.040133.14190.969
Berlin4.3835.952109.848149.015
München7.4748.972104.82993.486
Köln3.6695.105100.54068.369
Hamburg4.4555.60480.46543.784

Tabelle: Preisdifferenzen zwischen Neu- und Bestandsbauten für 70-Quadratmeter-Wohnungen in Euro, mittleres Preissegment (Median)/oberes Preissegment (teuerste 10 Prozent); Kaufpreise ohne Nebenkosten. Quelle: Value AG Marktdatenbank; HWWI

Besonders frappierend fallen die Kostendifferenzen in Teilen Sachsens und Nordrhein-Westfalens und in der Region München aus. Im bayerischen Landkreis Miesbach kostet der Quadratmeter einer Bestandswohnung im Mittelpreissegment 5.600 Euro, in einem Neubau knapp 9.400 Euro – das entspricht einem Aufschlag von 40 Prozent. Große Preisaufschläge für Neubauten von mehr als 150.000 Euro weist der Wohnatlas auch für die Städte Düsseldorf, Essen und Gelsenkirchen sowie für die Kreise Meißen, Nordsachsen und Straubing-Bogen aus.

Und dann gibt es Städte, die bereits so dicht bebaut sind, dass der Markt für moderne Objekte kaum noch Spielraum hergibt - und in denen größtenteils frisch sanierte Altbauten besonders begehrt sind. So macht es in Hamburg kaum einen Unterschied, in welchem Jahr gebaut wurde. In den Landkreisen Leer und Nordfriesland sind Bestandsbauten im Durchschnitt sogar teurer als Neubauten.

Altbauten können auf lange Sicht teuer werden

Allerdings sollte der Kaufpreis nicht das einzige Kriterium sein, an dem es sich in der Kostenrechnung zu orientieren gilt. Denn Neubauten verfügen in der Regel über eine deutlich bessere Energieeffizienz und modernere Haustechnik, die auf lange Sicht Einsparungen ermöglicht.

Ab wann man von einem Altbau sprechen kann, ist derweil beispielsweise bei Wohngebäudeversicherungen nicht immer eindeutig definiert. Meist wird ein Gebäude bei dem Alter von 40 Jahren als Altbau eingestuft, andere Versicherer  verlangen bereits nach 30 Jahren besondere Instandhaltungsmaßnahmen. Oft marode Rohre und veraltete Elektrik machen einen umfassenden Schutz von Hausrat und Gebäude aber unerlässlich.

Wohnimmobilien haben sich 2020 weiter verteuert

Wie sich die Immobilienpreise generell entwickelt haben, zeigt der aktuelle Index des Statistischen Bundesamts. Im ersten Quartal dieses Jahres sind die Preise für Wohnungen und Häuser im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 6,8 Prozent angestiegen. In den sieben größten Städten Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf verteuerten sich Eigentumswohnungen sogar um 7,4 Prozent. 

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