Wieder mehr Autoverkehr: Der Corona-Effekt flaut langsam ab

Anne Hünninghaus Corona Versicherungen

Weniger Autos auf den Straßen und in Folge geringere Schadenzahlen: Bisher galten Kfz-Versicherer als Krisengewinner. Aktuelle Telematikdaten der Huk-Coburg weisen aber auf eine Wende hin.

An den Wochenenden ist die Zahl der Autos auf Deutschlands Straßen zuletzt wieder rapide angestiegen.

An den Wochenenden ist die Zahl der Autos auf Deutschlands Straßen zuletzt wieder rapide angestiegen. Bild: Adobe Stock/hcast

Während der Phase der strengen Corona-Beschränkungen waren Deutschlands Straßen nahezu leer. Gute Zeiten also für Kfz-Versicherer, die schon in den ersten Wochen deutliche Schadenrückgänge vermeldeten. Ab Verhängung der Ausgangsbeschränkungen verzeichneten DEVK, Allianz, R+V und Huk-Coburg teils bis zu 40 Prozent weniger Fälle. Seit Ende April steigt die Zahl der Fahrzeuge und Staus nun allerdings wieder, wie eine aktuelle Analyse der Huk-Coburg zeigt, für die Fahrten von rund 165.000 Telematik-Nutzern verglichen wurden.

Im März war die Zahl der Autofahrten kurzzeitig um bis zu 53 Prozent abgesunken, zwischen Ende März und Mitte April erreichte das Verkehrsaufkommen auf deutschen Straßen einen neuen Tiefpunkt. Seitdem steigt dieses zwar kontinuierlich wieder an, von einem Normalzustand kann indes noch nicht die Rede sein. Laut aktuellen Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft war in der zweiten Maiwoche der Autoverkehr in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zur gleichen Zeit vor zwei Jahren um 46 Prozent verringert. Dass der Verkehr vor allem an Werktagen noch stark reduziert ist, ist auch darauf zurückzuführen, dass viele Pendler bislang noch im Home Office arbeiten.

Erhöhtes Verkehrsaufkommen an den Wochenenden

Am Wochenende scheint Deutschland laut der Huk-Coburg-Analyse hingegen schneller in den Normalzustand zurückzukehren. So wurden samstags lediglich elf Prozent weniger Fahrten verzeichnet, an Sonn- und Feiertagen waren es sogar nur noch acht Prozent weniger. Je nach Auflagen der Bundesländer lassen sich zudem große Unterschiede zwischen einzelnen Städten und Regionen feststellen. So waren Kölner während der Corona-Krise laut der Untersuchung am Wochenende weitaus häufiger mit dem Auto unterwegs als Münchener. An den Osterfeiertagen betrugen die Abweichungen zwischen beiden Städten sogar rund 72 Prozent.

Doch kein "goldenes Jahr" für Kfz-Versicherer?

Analysten hatten im April die Einsparungen für die Kfz-Versicherer aufgrund weniger Schäden auf eine Milliarde Euro allein bis Ende April 2020 geschätzt, sogar von einem „goldenen Jahr“ für die Kfz-Versicherung war die Rede gewesen. Ob diese Rechnung am Ende tatsächlich aufgehen wird, ist aber fraglich – auch, weil die Kosten pro Schadenfall laut Allianz zuletzt gestiegen waren. Grund dafür waren Mehrkosten für erschwerte Bedingungen, unter denen teils Ersatzteile geliefert wurden und die Desinfektion von Fahrzeugen.

Voraussichtlich werden viele Deutsche in diesem Sommer auf Naherholung und Tagesausflüge mit dem Auto ausweichen, statt in den Urlaub zu fliegen. Nach drei Monaten endeten mit Beginn dieser Woche zudem die Corona-bedingten Grenzkontrollen. Schon bald könnte der Straßenverkehr den Normalzustand der vergangenen Jahre also sogar übertreffen.

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