Wie die Verbreitung der Elementarversicherung gesteigert werden kann

Martin Thaler Berater Corona Versicherungen Top News

procontra: Das Geschäft mit Wohngebäudeversicherungen gilt als schwierig und für viele Versicherer als defizitär. Was sind hier die größten Probleme?  

Salge: Grundsätzlich liegt das Problem in den teilweise zu niedrigen Prämien, die auf dem Markt auch von Versichererseite aufgerufen werden. Wettbewerber kaufen Risiken teilweise unter Schadenbedarf ein, um Verbindungen aufzubauen und vertrieblichen Erfolg darzustellen. Hier muss sich also die Branche ebenso wie in der Kraftfahrtversicherung selbst an die Nase packen. Insbesondere weil risikotechnisch durch die hohe Volatilität der Elementarereignisse unter Solvency II mehr Risikokapital vorgehalten werden muss, ist diese Entwicklung bedenklich.    

procontra: Gibt es denn Möglichkeiten, den Präventionsgedanken in der Wohngebäudeversicherung stärker zu verankern?  

Salge: Grundsätzlich gehen wir in der Produktentwicklung den Weg, das subjektive Verhalten durch Tarifmerkmale wie Selbstbehalt und Schadenfreiheitsrabatt zu stärken. Insbesondere der im Markt bisher für die Wohngebäudeversicherung noch nicht weit verbreitete Schadenfreiheitsrabatt (SFR) stärkt die Bereitschaft des Versicherungsnehmers, Schäden vorzubeugen. Und davon profitiert dann der Versicherungsnehmer in Form von niedrigeren Prämien. Das haben auch unsere Kunden erkannt. Bereits 80% unseres Neugeschäft wird mit einem SFR abgeschlossen. Eine ähnliche Wirkung hat der Selbstbehalt. Dies hat den Vorteil, die konkrete Prävention in die Verantwortung des Versicherungsnehmers zu legen und nicht versichererseitig einzelne Präventionsmaßnahmen zu incentivieren.  

procontra: Andere Versicherer setzen hier verstärkt auf Smart-Home-Lösungen und bieten ihren Kunden beispielsweise vergünstigte Wassersensoren, mit denen Lecks in Wasserleistungen früher erkannt werden können.  

Salge: Diesen Möglichkeiten stehen wir aktuell eher zurückhaltend gegenüber. Die viel diskutierten Smart-Home-Lösungen sind vielfach noch zu teuer, die möglichen Prämienreduktionen im Verhältnis zu gering, um eine ausreichende Anreizwirkung zur Prävention wirklich zu entfalten. Das gleiche gilt auch für Drucksensoren, die den Abfall des Wasserdrucks melden und automatisch den Wasseraustritt stoppen. Hier stehen die Anschaffungskosten in Höhe von häufig rund 1.000 € doch relativ geringen zu erwartenden Beitragsnachlässen gegenüber. Entsprechende Angebote auf dem Markt sind demzufolge in erster Linie Marketing, die versicherungstechnisch jedoch noch keinen Spaß bringen. Perspektivisch bleiben wir aber insbesondere bei Smart-Home-Lösungen offen, und wir beobachten die Entwicklung in diesem Bereich interessiert.

Seite 1: Wie sich die Corona-Krise auf das Versicherungsgeschäft auswirkt
Seite 2: Elementarversicherung: Wie lässt sich die Verbreitung stärken?
Seite 3: Die Bedeutung von Selbstbehalten und Schadensfreiheitsrabatten