Wie die Verbreitung der Elementarversicherung gesteigert werden kann

Martin Thaler Berater Corona Versicherungen Top News

procontra: Welche Rolle spielt hier die Entscheidung von Bundesländern wie Bayern, Sachsen oder Nordrhein-Westfalen, Soforthilfen nur noch an die Immobilienbesitzer zu zahlen, die sich zuvor vergeblich um Versicherungsschutz für ihr Haus bemüht haben?  

Salge: Ich bin mir nicht sicher, ob diese Nachricht bei den Kunden aufgrund der geringen medialen Präsenz überhaupt angekommen ist. Eine wesentlich größere Bedeutung für die Abschlussbereitschaft seitens der Kunden haben große Schadensfälle, über die in den Medien ausgiebig berichtet wird. Für Makler bietet sich nach prominenten Schadensereignissen auch die Möglichkeit, ihren Bestand noch einmal nach fehlendem Elementarschutz zu durchforsten und die erhöhte Sensibilität für das Thema zu nutzen.    

procontra: Trotz steigender Zahlen hat immer noch weniger als die Hälfte aller Deutschen eine Elementarversicherung – was ließe sich hier produkttechnisch tun?  

Salge: Grundsätzlich muss man nochmals betonen, dass 99 Prozent aller Adressen im Hinblick auf Überschwemmung im versicherbaren Bereich liegen. Hier sind wir auf der Zeichnungsseite als Branche produktseitig grundsätzlich gut aufgestellt. Lediglich ein Prozent in Zürs-Zone 4 gilt als nicht oder schwer versicherbar.   Auf Einzelproduktebene wird häufig kundenseitig gefordert, statt ein Risikobündel in der Elementarversicherung, Versicherungen gegen die entsprechenden Einzelrisiken wie z.B. Überschwemmung oder Starkregen anzubieten. Schließlich schätzt der Hamburger das Risiko des Lawinendrucks anders ein als der Oberbayer. Dies würde aber versicherungstechnisch den Ausgleich der Risiken verhindern und damit insgesamt die Elementarversicherung über alle Einzelrisiken teurer machen. Daher ist dies aktuell in der Branche kein Thema.  

procontra: Was spricht dagegen, aus der Wohngebäudeversicherung eine All-Risk-Versicherung zu machen, in der Elementarschutz automatisch miteingeschlossen ist?  

Salge: Prinzipiell spricht hier nichts dagegen. Wenn man hier als einziger Anbieter vorangehen würde, riskiert man, in den gängigen Rankings und Listings weit nach unten zu rutschen, da eine Vergleichbarkeit nicht mehr richtig gegeben ist. Wenn es eine Initiative der gesamten Branche gäbe, wäre es jedoch durchaus denkbar.  

procontra: Solange es diese noch nicht gibt, kommt es auch auf den Makler an. Wie können Makler dieses Thema besser adressieren?  

Salge: Die Masse der Immobilien liegt hinsichtlich des Überschwemmungsrisiko in der Zürs-Zone 1. Hier wäre für den Makler ein Ansatz, wenn Überschwemmung ein nur geringes Risiko darstellt, auf die deutlich zunehmenden Starkregenereignisse hinzuweisen. Die Sensibilität für Überschwemmungsschäden ist in den Zürs-Zonen 2 bis 3 aufgrund der höheren Wahrscheinlichkeit des Schadeneintritts höher. Hier scheitert es häufiger an der Höhe der Beiträge. Hier sind Selbstbehalte eine wichtige Möglichkeit, die Prämien zu reduzieren. Die Zürs-Zone 4 betrifft lediglich ein Prozent der Adressen in Deutschland. Aber auch hier kann durch individuelle Selbstbehalte und die Vereinbarung von Sicherheitsvorkehrungen Versicherungsschutz hergestellt werden.   Das wichtigste Argument des Maklers muss aber sein, dass die Bundesländer sich seit 2017 aus der Verantwortung für die Übernahme von Hochwasserschäden zurückgezogen haben. Hier ist verstärkte Eigenvorsorge Pflicht.    

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