Wegen Wirecard: Wackelt der 34f-Aufsichtswechsel?

Florian Burghardt Berater Top News

Der Wirecard-Skandal offenbart ein historisches Ausmaß. Doch er könnte Finanzanlagevermittlern helfen, den ungeliebten Aufsichtswechsel zur BaFin zu verhindern. Auch, weil das Finanzministerium trotz neuer Zahlen nicht von seiner alten Kostenkalkulation abrücken will.

BaFin-Präsident Felix Hufeld räumte ein, dass seine Aufsicht nicht effektiv genug gearbeitet habe, um den Wirecard-Skandal zu verhindern.

BaFin-Präsident Felix Hufeld räumte ein, dass seine Aufsicht nicht effektiv genug gearbeitet habe, um den Wirecard-Skandal zu verhindern. Bild: Bernd Roselieb / BaFin

Razzien in den Geschäftsräumen, der Chef – kaum zurückgetreten – schon festgenommen und die Aktie am Boden. Der Skandal um den deutschen Zahlungsabwickler Wirecard aus Aschheim bei München ist beispiellos. Das sieht offenbar auch der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, so. Der dpa sagte er gestern: „Wir befinden uns mitten in der entsetzlichsten Situation, in der ich jemals einen Dax-Konzern gesehen habe."

Wirecard fehlen 1,9 Milliarden Euro. Es geht um „Luftbuchungen“, mutmaßliche Bilanzfälschung und insgesamt wohl einen der größten Wirtschaftsskandale der Bundesrepublik. Aber hätten die verschiedenen Aufsichtsorgane dem nicht auf die Schliche kommen müssen? Immerhin ist Wirecard bereits vor knapp zwei Jahren in den Dax aufgestiegen. Zur Rolle seiner Behörde sagte Hufeld: „Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert.“

Lieber um offene Baustellen kümmern

Auch wenn sich bestimmt kein Finanzdienstleister oder deren Interessenvertreter den Wirecard-Skandal gewünscht haben, so sind er und Hufelds Worte doch Wasser auf ihre Mühlen. Norman Wirth, Geschäftsführender Vorstand des Vermittlerverbands AfW, sagte: „In Anbetracht des Wirecard-Skandals und der damit mehr und mehr öffentlich werdenden Versäumnisse auch der BaFin – ein Supergau! – erscheint es unmöglich, der BaFin zusätzliche Aufgaben zu übertragen.“

Seitdem bekannt wurde, dass die Große Koalition die Finanzanlagenvermittler (§ 34f GewO) unter die Aufsicht der BaFin stellen möchte (aktuell werden diese von den Industrie- und Handelskammern sowie Gewerbeämtern beaufsichtigt), laufen die Vermittlerverbände Sturm. Der AfW und auch andere Verbände haben seitdem mehrfach betont, dass einer großen Behörde wie der BaFin, die auf Versicherungsunternehmen und Banken ausgerichtet ist, die Kompetenz zur Beaufsichtigung von mittelständischen Gewerbetreibenden fehle.

Bei der BaFin habe man intern bereits circa 40 erfahrene Mitarbeiter identifiziert, die sich um die neue Aufgabe kümmern sollen. Laut Wirth sollten sich diese lieber weiter um die bestehenden Aufsichtsaufgaben kümmern, da hier „offensichtlich dringender Handlungsbedarf besteht“.

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