Warum Entgeltumwandlung auch bei Kurzarbeit lohnt

Detlef Pohl Versicherungen Corona Recht & Haftung

Über aktuelle Entwicklungen zur bAV wurde auf einem Expertenforum informiert, das erstmals digital veranstaltet werden musste. Dabei stand die Rettung der bAV während Kurzarbeit im Blickpunkt. Arbeitsrechtler und Steuerexperten gaben Auskunft.

Der Arbeitgeber-Zuschuss zum Kurzarbeitergeld ist Entgelt und damit auch als Einzahlung in die Entgeltumwandlung nutzbar, sagt der auf bAV spezialisierte Arbeitsrechtler Christian Betz-Rehm. Bild: Maat Rechtsanwälte

Das Geschäft mit der betrieblichen Altersversorgung (bAV) boomt. Dabei spielt die staatliche Förderung eine große Rolle. Bei der Entgeltumwandlung gibt es sie sogar alternativ (Förderhopping): Steuer- und sozialabgabenfreies Sparen gemäß § 3 Nr. 63 EStG sowie staatliche Zulagen bei der Wahl einer Riester-Förderung gemäß § 10a EstG (procontra berichtete).

Doch wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Entgeltumwandlung aus, wo doch schon über zehn Millionen Anträge auf Kurzarbeit gestellt worden sind? Klartext sprach dazu Thomas Dommermuth: „Entgeltumwandlung kürzt den Anspruch auf Kurzarbeitergeld nicht“, sagte der Steuerberater und Professor an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden diese Woche auf dem online veranstalteten HDI-bAV-Expertenforum 2020.

Wer als Arbeitnehmer wegen Kurzarbeit seine Entgeltumwandlung reduziert, schafft nur eine sehr geringe effektive Entlastung. Gute Argument für Berater: Bei 50 Euro weniger Brutto-bAV-Einzahlung hat ein Durchschnittsverdiener nur 17,44 Euro netto mehr für den Konsum, aber 50 Euro weniger Betriebsrente. Das solle man sich zweimal überlegen, da Entgeltumwandlung das Kurzarbeitergeld de facto nicht kürzt und zudem bei Aussetzen der Entgeltumwandlung der Arbeitgeberzuschuss für diese Zeit verloren geht (procontra berichtete).

Warum Entgeltumwandlung auch bei Kurzarbeit lohnt

Wer seine Einzahlungen nicht verringert, profitiert dagegen sogar bei Kurzarbeit null: „Dann greift Paragraf 3 Nr. 63 EStG nicht“, erklärt der Wissenschaftler, der auch zum Beirat des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) gehört. Wohl dem, der dann wie im Falle der HDI-Direktversicherung innerhalb seines Vertrages auf die Riester-Förderung umswitchen könne (procontra berichtete).

Apropos Kurzarbeit: Kurzarbeitergeld ist kein Entgelt und damit nicht für die Entgeltumwandlung verwendbar (procontra berichtete). „Ein AG-Zuschuss zum Kurzarbeitergeld ist aber sehr wohl Entgelt und damit auch als Einzahlung in die bAV nutzbar“, erklärte Christian Betz-Rehm, Partner von Maat Rechtsanwälte in München und Fachanwalt für Arbeitsrecht mit Schwerpunkt bAV, in seinem Vortrag.

Bislang ist dieser Zuschuss steuerpflichtig. Das wird sich in Kürze ändern, betont Dommermuth und verweist auf den neuen Paragraf 3 Nr. 28a EStG-E. „Danach wird der AG-Zuschuss bis maximal 80 Prozent des Unterschiedsbetrages gemäß Paragraf 106 SGB III steuerfrei.“ Sozialabgabenfrei sei der Zuschuss zum Kurzarbeitergeld bereits jetzt.

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