Urteil: Wann ist ein Tennislehrer berufsunfähig?

Martin Thaler Berater Recht & Haftung Top News

Die Entscheidung  

Der Versicherer kassierte auch vor dem OLG eine Niederlage – die Berufung wurde abgelehnt. Das Gericht führte aus, dass sich der konkret ausgeübte Beruf regelmäßig aus einer größeren Zahl von Einzelverrichtungen zusammensetze, die von unterschiedlichem Gewicht sein könnten. Könne ein prägendes Kernelement der Berufstätigkeit nicht mehr bewältigt werden, entfalle die Fähigkeit zur Ausübung des Berufs insgesamt – auch wenn der auf die konkrete Tätigkeit entfallene Zeitaufwand weniger als die Hälfte der gesamten Tätigkeit in Anspruch genommen haben sollte.  

Dies sei im Fall des Tennistrainers gegeben, stellte das Gericht fest. Dieser sei weder in der Lage, über längere Dauer im Rahmen des Tennisunterrichts mitzuspielen noch dauerhaft Schläge durchführen zu können. „Die Ermittlung eines genauen Prozentsatzes der Einschränkung sei entbehrlich, da es sich bei den gennannten Tätigkeitselementen um solche handele, ohne die die Ausübung des Berufs als Tennislehrer nicht sinnvoll möglich sei“, befanden die Richter.  

Auch die Voraussetzungen für eine abstrakte Verweisbarkeit sah das Gericht nicht als gegeben an. Die Kenntnisse und Fähigkeiten müssten vergleichbar sein, ebenso die Vergütung sowie die soziale Wertschätzung der Berufsbilder.  

Als Inhaber einer B-Trainer-Lizenz (Ausbildungszeit: 3 ½ Jahre) sei der Tennistrainer nicht als ungelernt, sondern als „Gelernter“ zu beurteilen. Sämtliche von der Versicherung vorgeschlagenen „Hilfstätigkeiten“, wie beispielsweise Platzwart, Pförtner, Mitarbeiter einer Gebäudereinigungsfirma, Animateur Freizeitsport oder ungelernter Verkäufer im Sporthandel, seien unter Berücksichtigung der Ausbildung des Klägers als unzumutbar zu werten. „Diese Berufe seien in sozialer Hinsicht mit der bisherigen Lebensstellung nicht vergleichbar“, urteilte das Gericht.  

Andere von der Versicherung genannte Tätigkeiten wie u.a. Hausmeister, Fahrschullehrer, Mitarbeiter im Security-Dienst, Trainer für andere Ballspielarten, Fitnesstrainer, Ernährungs- und Fitnessberater, könne der Mann hingegen nicht ausüben, „weil seine beruflich verwertbaren Kenntnisse und Fertigkeiten hierfür nicht ausreichend seien“.  

Auch eine Umorganisation des an die Person des Tennistrainers gebundenen „Einmannbetriebs“ scheidet aus Sicht des Gerichts aus.  

Folglich müsse die Versicherung die vereinbarten BU-Renten in Höhe von zusammengerechnet knapp 3.100 Euro im Monat zahlen, so das OLG. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.

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