Urteil: Wann ist ein Tennislehrer berufsunfähig?

Martin Thaler Berater Recht & Haftung Top News

Ein schmerzendes Handgelenkt machte einem Tennistrainer die Berufsausübung unmöglich. Das sah der BU-Versicherer jedoch anders und prüfte zudem zahlreiche Verweisungsmöglichkeiten. Der Fall landete schließlich vor Gericht.

Wann gilt ein Tennislehrer als berufsunfähig? Mit dieser Frage musste sich das OLG des Saarlands beschäftigen.

Wann gilt ein Tennislehrer als berufsunfähig? Mit dieser Frage musste sich das OLG des Saarlands beschäftigen. Bild: Adobe Stock/ milanmarkovic78

Laut Definition gilt derjenige als berufsunfähig, der seinen zuletzt ausgeübten Beruf infolge Krankheit, Verletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann. Bei der Auslegung dieser Definition gibt es zwischen Versichertem und Versicherer jedoch oftmals unterschiedliche Auffassungen, wie nun erneut vor dem Saarländischen Oberlandesgericht (Az: 5 U 42/19, Urteil vom 12.02.2020) deutlich wurde.  

Was war geschehen  

Konkret ging es um einen selbstständigen Tennislehrer, die über zwei Lebensversicherungen mit Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen verfügte. Seit 1981 war der Mann als Tennistrainer tätig gewesen, den Beruf hatte er unmittelbar nach Abschluss einer Fachoberschule ergriffen.  

Der Arbeitsalltag sah bei ihm wie folgt aus: Fünfmal die Woche trainierte er Schüler jeweils en bloc zwischen 9:00 und 12:00 sowie 14:00 und 19:00 Uhr. Das Training bestand dabei nicht nur aus Anweisungen seinerseits – er selbst agierte als Mitspieler, betätigte sich folglich körperlich intensiv am Training.  

Im November 2011 stellte der Mann einen Antrag auf Leistungen aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese beruhe in erster Linie auf Erkrankungen in seiner rechten Hand – einer Handgelenksarthrose, Knochenzysten in den rechten Handwurzelknochen und einem Karpaltunnelsyndrom rechts -, auf deren Gebrauch er als Tennistrainer angewiesen sei. Den hohen Schlagbelastungen des Handgelenks sei es als Tennislehrer an einem normalen Arbeitstag geschätzt mehr als 1000-mal ausgesetzt gewesen.

Die Versicherung verweigerte den Leistungseintritt und verwies darauf, dass der Mann seinem Beruf weiter nachgehen könnte. Als Tennistrainer müsse er nur wenige Bälle am Tag zu Demonstrationszwecken schlagen, was aber „nicht mit einer entsprechenden Wucht erfolgen“ dürfte. Als Trainer reiche es, die Spieler anzuleiten und eventuell Trockenübungen vorzumachen.  

Abgesehen davon dürfe der Mann auf jede Hilfstätigkeit (Platzwart, Pförtner, Hausmeister) verwiesen werden oder auch auf eine Vielzahl sonstiger Berufe mit Verbindung zu Sport, Gesundheit oder Ernährung. Da der Mann keine Berufsausbildung habe und „vielleicht etwas Tennis spielen“ könne, sei ihm auch eine ungelernte Tätigkeit zuzumuten.  

Dieser Auffassung war das Landgericht Saarbrücken nicht gefolgt. Es hatte die Versicherung dazu verurteilt, an den Mann monatliche Rentenzahlungen von knapp 3.100 Euro zu leisten sowie den Kläger von den Beitragszahlungen zu befreien. Hiergegen legte der Versicherer Berufung ein – der Fall landete schließlich vor dem OLG des Saarlands.  

Seite 1: Der Tennistrainer und die schmerzende Hand
Seite 2: Auf welche Jobs ist ein Tennistrainer verweisbar