Urteil: Skisturz kann ein Arbeitsunfall sein

Anne Hünninghaus Recht & Haftung Berater

Das Landessozialgericht Stuttgart hat im Rechtsstreit um einen Sportunfall während einer betrieblich organisierten Reise zugunsten des Verunglückten entschieden.

Unter gewissen Umständen kann ein Sturz beim Skifahren als Arbeitsunfall gewertet werden.

Unter gewissen Umständen kann ein Sturz beim Skifahren als Arbeitsunfall gewertet werden. Bild: Adobe Stock/ARochau

Bei einer von seinem Arbeitgeber organisierten Reise nach Österreich war ein Ingenieur 2016 beim Skifahren verunglückt. Obwohl die Fahrt von der Firma als Gruppenaktivität geplant worden war, erkannte seine Berufsgenossenschaft den Fall nicht als Arbeitsunfall an. Das Landessozialgericht Stuttgart entschied nun allerdings anders (L 10 U 289/18).

Was war passiert?

Der Entwicklungsingenieur hatte gemeinsam mit Kollegen an einer von seinem Arbeitgeber organisierten fünftägigen Reise nach Österreich teilgenommen. Das Kollegium war in drei Gruppen aufgeteilt, in denen gemeinsame Aktivitäten unternommen wurden. Je nach Ausdauer und Vorerfahrung wurden die Mitarbeiter zum Wandern, Rodeln und Skifahren eingeteilt. Mit in jeder Gruppe war mindestens ein Mitglied der erweiterten Geschäftsführung. Am dritten Tag der Reise stürzte der Ingenieur beim Skifahren und brach sich den rechten Unterschenkel und das Steißbein.

Seine Berufsgenossenschaft verweigerte anschließend die Anerkennung als Arbeitsunfall und begründete das damit, dass der Verletzte zur Zeit des Sturzes keine versicherte Tätigkeit verrichtet habe. Die zum Unfall führende Teilveranstaltung "Skifahren" habe nicht allen an der Reise teilnehmenden Beschäftigten offen gestanden, da dafür gewisse Fertigkeiten Voraussetzung gewesen waren. Zudem sei das Skifahren auch deshalb als Freizeitinteresse zu werten, weil es – im Gegensatz zu Aktivitäten wie zum Beispiel Wandern – kein Zusammengehörigkeitsgefühl im Sinne des Arbeitgebers initiiere.

LSG Stuttgart hebt Urteil auf

Dieses Urteil hat das LSG Stuttgart nun in zweiter Instanz aufgehoben. Die Genossenschaft müsse den Sturz als Arbeitsunfall anerkennen. Zwar sei die Teilnahme an der Reise generell und an der Skifahrt im Speziellen freiwillig gewesen, dennoch sei beides als versicherte betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung zu werten. Die betrieblichen Zwecke, mit einer solchen Fahrt das Wir-Gefühl zu stärken, sieht das Gericht im Gesamtkontext der Firmenfahrt gegeben. Auch im Falle des Skifahrens habe das individuelle sportliche Erleben hinter der gemeinschaftlichen Abfahrt und dem anschließenden Austausch zurückgestanden.