Unter Druck: Wie Leitungswasserschäden den Wohngebäudeversicherern schaden

Michael Fiedler Digital Versicherungen

Leitungswasserschäden setzen Wohngebäudeversicherer heftig unter Druck. Doch mit „smarten Helfern“ setzt sich die Branche zur Wehr. Was die digitalen Wassersensoren können und kosten.

Wohngebäudeversicherung

Vor allem Sanierungsstau lässt die Zahl der Leitungswasserschäden steigen. Das setzt Wohngebäudeversicherungen unter Druck. Bild: Michael Gaida / pixabay

Wohngebäudeversicherer haben es schwer, aus den roten Zahlen zu kommen. Wer sich diesbezüglich auf Ursachenforschung begibt, trifft schnell auf Leitungswasserschäden. Mehr als eine Million Schäden an Wasserleitungen werden Jahr für Jahr in Deutschland gemeldet. Das sind etwa 3.000 Wasserschäden pro Tag. Alle 30 Sekunden platzt in Deutschland ein Rohr, löst sich eine Dichtung oder leckt eine Armatur. Und solche Wasserschäden sind nicht nur häufig, sondern auch teuer. Wohngebäude- und Hausratversicherer in Deutschland zahlen laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) für Wasserschäden mehr als 2,6 Milliarden Euro jährlich. Die durchschnittliche Summe pro Schaden lag 1991 noch unter 1.000 Euro; heute liegt dieser Wert bei 2.065 Euro. Verglichen mit anderen Schadenaufwendungen im Wohngebäudebereich (z.B. Feuer, Hagel, Sturm) nehmen Leitungswasserschäden eine „Spitzenposition“ ein. Über die Hälfte der Gesamtaufwendungen für Schäden entfallen auf Leitungswasserschäden (siehe Grafik; Klicken zum Vergrößern).

Der Risikoatlas der Generali (Zahlen von 2015; jüngere liegen nicht vor) zeigt auch deutlich, dass Leitungswasserschäden in den westlichen Bundesländern häufiger und teurer sind. Als Grund dafür wird meist Sanierungsstau angegeben.
„Leitungswasserschäden sind in der Gebäudeversicherung für die Verlustsituation der Branche verantwortlich“, fasste Dr. Christof Mackrodt von der Provinzial Rheinland gegenüber procontra zusammen. Bei dem Versicherer verantwortet Mackrodt als Abteilungsleiter Kalkulation und Produktmanagement eine Kooperation mit dem Armaturenhersteller Grohe. Mit Wassersensoren sollen Rohrbrüche erkannt und die Wasserzufuhr automatisch gestoppt werden. Ähnliche Angebote gibt es auch von der Alten Leipziger, HDI oder der Gothaer, die zumeist mit Grohe zusammenarbeiten. Doch auch ganz neue Anbieter buhlen um die Gunst der Versicherer. So zum Beispiel Smart Wins, die ein digitalisiertes Abbild der Trinkwasserinstallationen in Wohngebäuden liefern können. Dies umfasst u.a. die Erfassung von Daten zum Wasserdurchfluss können damit erfasst werden und eine automatische Regelung soll den Betrieb optimieren. Oder die Firma iNDTact aus Würzburg, die Technologie zur Überwachung von Maschinen, Verarbeitungsprozessen und hochbelasteten Bau- und Verschleißteilen anbietet.

Axa setzt auf „Wasserwächter“

Und auch Axa hat nun „Wasserwächter“ – nach knapp fünfjähriger Testphase. Und die war auch gerechtfertigt, findet Jörg Malz, der das Projekt bei den Kölnern verantwortet. Technische Anpassungen waren nötig und der Versicherer hat sich inzwischen entschieden, auf die automatische Weiterleitung der Daten an Handwerker zu verzichten. Man wolle verantwortungsvoll mit den Daten der Kunden umgehen, so Malz gegenüber procontra zur Begründung. Die Entscheidung, welcher Handwerksdienst eingeschaltet wird, obliegt also den Kunden. Und von denen hat Axa inzwischen eine ganze Menge, um die „Wasserwächter“ im Einsatz zu testen. Etwa 1.000 Versicherte nutzen das System inzwischen – das dürfte, so Malz, marktweit unerreicht sein. Stolz ist der Projektleiter auch auf die Preisgestaltung: mit weniger als 250,- Euro für die Geräte und 10 Prozent Rabatt auf den Versicherungsbeitrag bewegt man sich deutlich unter den Wettbewerbsangeboten.
Noch sind die „Wasserwächter“ in Einfamilienhäusern im Einsatz. Der Einbau in Mehrfamilienhäuser ist laut Malz wesentlich aufwendiger zumal auch mehrere der „Wasserwächter“ installiert werden müssten. Doch auch daran arbeitet der Kölner Versicherer – dann könnten die „smarten Angebote“ auch für Hausverwaltungen eingesetzt werden.

Allerdings ist auch damit die Weiterentwicklung der Systeme nicht abgeschlossen. Denn ein echter Rohrbruch ist nur in 21 Prozent der Fälle die Ursache für feuchte Wände und nasse Fußböden weiß man bei dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IfS). Und die derzeit erhältlichen Systeme können zumeist „nur“ Schäden an Zuleitungen erkennen. Schäden an den Ableitungen – also zum Beispiel beim Toilettenwasser oder dem Duschabfluss – sind für die digitalen Helfer i.d.R. noch nicht erkennbar.
Auch darauf sollten Vermittler deutlich hinweisen, wenn sie ihren Kunden derartige Systeme anbieten.

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