Umweltschützer rüffeln Allianz und Munich Re

Martin Thaler Versicherungen

Die Absicherung von Kohleprojekten gilt bereits vielfach als rotes Tuch, doch Umweltschützer fordern von den Versicherern, auch Gas- und Ölvorhaben nicht mehr abzusichern. Wenige Unternehmen stehen dabei im Fokus.

Umweltschützer fordern von Versicherern wie der Allianz, in Zukunft keine Öl- und Gasprojekte zu versichern.

Umweltschützer fordern von Versicherern wie der Allianz, in Zukunft keine Öl- und Gasprojekte zu versichern. Bild: Adobe Stock/ olly

Wenn die Menschheit im Kampf gegen den Klimawandel die Oberhand gewinnen möchte, muss ein Großteil der fossilen Brennstoffe, wie Kohle und Öl, in der Erde bleiben. Umweltschützer nehmen aus diesem Grund auch die Versicherungswirtschaft in die Verantwortung, die Öl- und Gasindustrie nicht mehr zu versichern.

Nun wandte sich das NGO-Netzwerk „Unfriend Coal/ Insure our Future“ mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit. In diesem forderte sie insgesamt 30 Versicherer auf, neue Öl- und Gasprojekte sowie Kohlekonzerne nicht mehr zu versichern. Die Verbrennung von Öl und Gas sei für 55,6 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, argumentieren die Umweltschützer. Dennoch würden immer weitere Öl- und Gasprojekte gestartet, beispielsweise vor der Küste von Guyana (Südamerika) oder im Norden von Mosambik.

Allianz und Munich Re im Blickpunkt

In den Blickpunkt der Umweltschützer gerückt sind dabei vor allem die Allianz sowie die Munich Re. Beide gehörten zu den weltweit größten Versicherern des Öl- und Gassektors. „Während acht der größten Öl- und Gasversicherer, darunter Allianz und Munich Re, bereits starke Einschränkungen in der Kohleversicherung vorgenommen haben und sich vier davon verpflicht haben, ihre Portfolios nach dem 1,5 Grad-Szenario [Ziel des Pariser Klimaabkommens] auszurichten, ist im Bereich Öl und Gas bisher wenig passiert“, heißt es in einer Mitteilung der Umweltschutzorganisation Urgewald, die Mitglied im genannten NGO-Netzwerk ist.  

Das Versicherungsgeschäft in der Gas- und Ölbranche konzentriert sich auf wenige Unternehmen, unter ihnen Allianz, Axa XL, Zurich, Liberty Mutual und Munich Re. Diese Konzentration kann aus Sicht der Umweltschützer auch ein Vorteil sein. „Der Versicherungsmarkt im Öl- und Gasbereich ist so konzentriert, dass schon die Aktion weniger Versicherer einen großen Einfluss haben kann“, erklärt Regine Richter, Energie-Campaignerin bei urgewald und argumentiert: „Aufgrund des geringen Anteils an Prämien würde der Ausschluss von Öl- und Gasprojekten den Versicherern nicht einmal besonders weh tun. Dabei sind besonders die Versicherer gefragt, die als Mitglied der Net-Zero Asset Owner Alliance Klimaschutz versprechen wie Allianz und Munich Re.“  

Die Net-Zero Asset Owner Alliance war 2019 auf dem UN-Klimagipfel in New York gegründet worden. Ihre Mitglieder verpflichten sich, die CO2-Emissionen ihrer Anlageportfolios bis 2050 auf Null zu reduzieren.  

Auf procontra-Nachfrage bekräftigte die Allianz ihre Verpflichtung, bis zum Jahr 2040 kohlebasierte Geschäftsmodelle im Kundenportfolio in der Versicherung und in der Anlage der Versichertengelder auslaufen zu lassen. „Die Anlage der Versichertengelder soll bis spätestens 2050 klimaneutral strukturiert sein“, teilte eine Allianz-Sprecherin mit.  

Nachhaltigkeit wird für Vermittler immer wichtiger

Und weiter: „Wir möchten unsere Kunden auf ihrem Weg zu klimafreundlichen Geschäftsmodellen in den kommenden Jahren begleiten. Daher arbeiten wir direkt und in Netzwerken wie der ,UN-convened Net-Zero Asset Owner Alliance‘ mit der Wirtschaft zu ihren Geschäftsstrategien und Treibhausgas-Reduktionszielen zusammen. Dies ist aus unserer Sicht zielführender als Ausschlüsse.“  

Auch für Vermittler wird das Thema Nachhaltigkeit immer bedeutsamer. Ab kommendem Jahr soll nach Plänen der Europäischen Union die Nachhaltigkeitspräferenz des Kunden fester Bestandteil des Beratungsprozesses werden. Und auch von Kundenseite steigt der Druck: Laut einer Umfrage von Heute & Morgen wünschen sich 80 Prozent der Kunden mehr Nachhaltigkeits-Engagement von ihren Versicherern. Knapp die Hälfte zeigte sich zudem bereit, ihren Versicherer zugunsten eines nachhaltiger aufgestellten Konkurrenten zu wechseln – mehrheitlich allerdings nur, wenn sich dieser Wechsel nicht negativ im eigenen Geldbeutel bemerkbar macht.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare