Signal Iduna: Das sind die Kosten des BSV-Sonderwegs

Anne Hünninghaus Corona Versicherungen

Auf der heutigen Bilanzpressekonferenz gab der Versicherer Einblicke in die Corona-bedingte Schadenhöhe und zeigte sich in seinen Digitalisierungsplänen durch die Krise bestätigt.

Bilanz-Pressekonferenz der Signal Iduna am 3.6.2020.

Bilanz-Pressekonferenz der Signal Iduna am 3.6.2020. Bild: Benito Barajas/SIGNAL IDUNA

Langsam öffnen Restaurants und Cafés deutschlandweit wieder ihre Türen. Das Aufatmen pünktlich zum Sommerbeginn tröstet die Gastronomen allerdings noch lange nicht über die herben Verluste der vergangenen Wochen hinweg. Während die meisten Versicherungen öffentlichkeitswirksam dafür kritisiert wurden, trotz Betriebsschließungspolicen nicht zu leisten, hob sich die Signal Iduna mit ihrer Entscheidung ab, grundsätzlich auch bei Schließungen infolge des Virus zu haften, – mit Einschränkungen.

„Im Vorstand waren wir uns damals schnell einig, dass wir uns als Zielgruppenversicherer hier besonders in die Pflicht genommen fühlen“, sagte Vorstandsvorsitzender Ulrich Leitermann in der heutigen Bilanzpressekonferenz auf procontra-Nachfrage. „Wir hatten nicht das Ziel, in Rechtsstreitigkeiten mit Gastronomen zu treten und haben uns früh dazu entschieden, die Deckung im Einzelfall mit den Kunden zu erörtern.“ Dabei habe es vonseiten der Versicherten auch immer wieder Missverständnisse gegeben, in welchen Fällen Betriebbschließungspolicen und in welchen Betriebsunterbrechungspolicen greifen.

Bei mehreren tausend BSV-Verträgen im Bestand rechne man mit resultierenden Schäden in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags, so Vorstandsmitglied Dr. Stefan Kutz. 65 Prozent davon seien im Einvernehmen mit den Kunden inzwischen abschließend erledigt. Angesichts jährlicher Prämieneinnahmen von rund 500.000 Euro fällt das Kosten-Prämien-Verhältnis für den Versicherer sehr ungünstig ins Gewicht.

Digitalisierung durch Corona befeuert

Während sich die Gruppe über mit um 3,1 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro leicht gestiegene Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr freuen kann, lassen die noch wenig absehbaren weiteren Folgen der Pandemie nur vage Rückschlüsse zu, wie sich die Geschäftszahlen in 2020 entwickeln werden. Auf das Jahr hochrechnen möchte man den Mindermonatsbetrag von zuletzt 3 Millionen Euro zumindest nicht. Rund 25.000 Versicherte hatten bislang Stundungen beantragt.

Im Bereich PKV zeichnet sich derweil eine langsame Erholung ab, ließ der Vorstand verlauten. Standen viele Kliniken im März und April teils leer, hätten die Krankenhausbehandlungen abseits des Virus in den vergangenen Tagen wieder zugenommen und befänden sich nun annähernd auf Normalniveau. In vielen Bundesländern sind planbare Operationen und Therapien seit Mitte Mai wieder möglich. Davor hatten viele Medizineinrichtungen ihren Standardbetrieb auf ein Minimum zurückgefahren.

Bei den Krankenversicherungen und Lebensversicherungen der Signal Iduna gab es leichte Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr.

„Eines hat Krise uns gezeigt: Unser Weg in der digitalen Transformation ist richtig. Dank der bereits etablierten Maßnahmen konnten wir uns schnell umstellen. Agile Prozesse und Kundenzentrierung haben sich in der Krise bewährt“, sagte Leitermann. Das Unternehmen hatte sich zuletzt eine Digitalisierungsstrategie verschrieben, unter anderem eine Kombination aus Gesundheits- und Versicherungs-App an den Start gebracht. So werden in der Krankenversicherung mittlerweile mehr Rechnungen und Belege digital eingereicht als in Papierform. In diesem Jahr will das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag unter anderem in die weitere Digitalisierung investieren und agile Arbeitsmethoden unternehmensweit einführen.

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