Sicherheit vs. Rendite? Wie sich Fondsprofile unterscheiden

Vorsorgekonzepte Berater Top News von Sebastian Wilhelm

Je nach Risikotoleranz und Renditeorientierung des Kunden bieten sich bei Fondspolicen diverse Profile an. Vor allem drei Basisprofile beherrschen den Markt. So sind sie ausgerichtet.

Nicht jeder Anleger ist bereit, das gleiche Risiko einzugehen. Makler sollten je nach Risikoprofil die passende Lösung im Programm haben.

Nicht jeder Anleger ist bereit, das gleiche Risiko einzugehen. Makler sollten je nach Risikoprofil die passende Lösung im Programm haben. Bild: Adobe Stock/siraanamwong

An den Kapitalmärkten führt heutzutage kein Weg mehr vorbei, wenn man mehr als eine homöopathische Rendite sehen will. Damit kommen bei Privatanlegern Fondspolicen ins Spiel. Mit ihrem jeweils spezifischen Wertpapiermix können sie Risiko, Volatilität und Renditechancen den Wünschen des Anlegers anpassen. Das müssen sie auch, denn die IDD-Richtlinie schreibt schließlich die Angemessenheit und Geeignetheit einer Geldanlage gemäß erhobener Risikoklasse des Kunden vor – eine wesentliche Pflicht des Vermittlers.

Im Sinne einer breiten Streuung sollte eine Fondspolice in mehr als nur eine Handvoll Fonds bzw. Titel investieren. Dadurch wird es für Privatanleger wie auch für ihre Berater schwierig bis unmöglich, alle einzelnen Positionen zu überblicken und auszuwerten, um sich ein Bild von den Risiken und Chancen zu machen. Zur Vereinfachung haben die Produktgeber ihre Fondspolicen daher oftmals an grundlegenden Profilen ausgerichtet, die sich an bestimmte Anlegertypen wenden. Im Wesentlichen lassen sich drei Basisprofile ausmachen:

1. Sicherheit/defensiv

Der Schritt an die Kapitalmärkte ist für viele Privatanleger ein großer. Wenn Sicherheit auch bei diesem „Abenteuer“ großgeschrieben werden soll, sind defensiv bzw. konservativ ausgerichtete Fondspolicen das Richtige. Sie lassen sich grob in zwei Kategorien gliedern: Wenn die Fondspolice ausschließlich auf Aktien setzt, handelt es sich in der Regel um etablierte, meist dividendenstarke Standardwerte („Blue Chips“) aus verschiedensten Branchen und Regionen, um das Risiko zu streuen und die Volatilität gering zu halten. Sind auch andere Assets vorgesehen, etwa Rentenfonds, ist deren Anteil sehr hoch, meist deutlich mehr als die Hälfte. Die Rendite solch defensiver Anlagen ist folglich vergleichsweise gering, in der Regel 3 bis 5 Prozent.

2. Balance/ausgewogen

Der goldene Mittelweg für nicht zu sicherheitsbewusste und nicht zu mutige Kunden sind ausgewogen investierende Fondspolicen. Wie ihr Name schon sagt, sollen sich Risiko(vermeidung) und Rendite in etwa die Waage halten. Misch- und Rentenfonds in den Portfolios tragen zur Stabilisierung bei, haben aber selten einen Anteil von mehr als 50 Prozent. Denn auch für die Renditejagd wird noch Kapital gebraucht. Das kann in etwas volatilere, aber auch chancenreichere Aktien(fonds) fließen. Hier sind die Möglichkeiten für eine offensivere Titelwahl so vielfältig wie die weltweiten Kapitalmärkte. Spekulative Investments werden aber gemieden, auch exotische Regionen werden zugunsten der heimischen Märkte (Europa, vielleicht noch USA) ausgeklammert – sie bleiben den risikoaffinen Kunden vorbehalten. Ausgewogen investierende Fondspolicen können den Anlegern Renditen von über 5 Prozent bescheren, solange kein Crash auf breiter Front eintritt.

3. Rendite/dynamisch

Es gibt gute Gründe, in die dauerhafte Aufwärtstendenz der Kapitalmärkte zu vertrauen. Vor allem: die Historie. Wer über lange Zeit gut diversifiziert anlegt, hat bisher noch immer einen guten Schnitt gemacht. Kunden, die das verinnerlicht haben, greifen gern zur offensivsten Fondspolicen-Variante. Mit einem dynamischen Investmentansatz holen renditeorientierte Fondspolicen das Maximum für die Anleger heraus. Die Bandbreite der erwirtschafteten Rendite ist groß, geht aber bei vielen Anbietern in den zweistelligen Bereich. Naturgemäß steigen auch die Risiken proportional, denn wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten. Doch – siehe oben – die Anlagerisiken relativieren sich bei breiter Streuung und langem Anlagehorizont. Zudem gibt es auch unter dynamisch ausgerichteten Fonds(policen) wiederum offensivere und defensivere.

Der kurze Abriss lässt erkennen, dass ein Etikett wie „dynamisch“, „ausgewogen“ oder „defensiv“ nur eine grobe Einordnung darstellt und möglicherweise nicht das repräsentiert, was Vermittler und Kunden jeweils darunter verstehen. Vermittler kommen daher nicht umhin, selbst einen Blick in die Anlagephilosophie und das zugehörige Portfolio zu werfen – und nicht zuletzt auch die Risikoklasse im Auge zu behalten. Denn die kann sich durchaus auch mal ändern, mit der Folge, dass sie vom Risikoprofil des Kunden nicht mehr gedeckt ist. Um daraus resultierende Haftungsrisiken zu vermeiden, sollten Vermittler regelmäßig checken, ob Kunde und Portfolio noch zusammenpassen.

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