Schädlingsbefall: Haften Handwerker schon bei Übersehen?

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung

Mit den werkvertraglichen Nebenpflichten von Zimmerleuten und Dachdeckern musste sich kürzlich das Landgericht Bremen befassen. Das Urteil zeigt, wie wichtig eine Betriebshaftpflichtversicherung für Handwerker ist.

So deutlich wie hier zeigen sich die Spuren von Schädlingsbefall nicht immer. Ab einem gewissen Grad müssen Handwerker dies aber erkennen und melden, ansonsten droht ihnen Schadenersatzpflicht.

So deutlich wie hier zeigen sich die Spuren von Schädlingsbefall nicht immer. Ab einem gewissen Grad müssen Handwerker dies aber erkennen und melden, ansonsten droht ihnen Schadenersatzpflicht. Bild: Pixabay

Der Eigentümer eines Mehrfamilienhauses hatte einen Zimmerer mit dem Innenausbau der Dachgeschosswohnung beauftragt. Einen weiteren Werkvertrag schloss er mit einem Dachdeckermeister. Dieser sollte die vorhandene alte Eindeckung abnehmen, eine Wärmedämmung einbauen und das Dach neu eindecken. Nach den Arbeiten bemerkte der Mieter in der Wohnung Fraßgeräusche und Fraßmehl. Ein beauftragter Sachverständiger stellte daraufhin fest, dass der Dachstuhl bereits seit mindestens drei bis fünf Jahren von Hausbock-Käfern, sogenannten großen Holzwürmern, befallen war. Daraufhin wurde eine kostspielige Entfernung notwendig.

Offenbar hätten die beiden Handwerker den Schädlingsbefall während ihren Arbeiten erkennen müssen. Deshalb wollte der Hauseigentümer von ihnen den entstandenen Schaden ersetzt bekommen. Der Fall landete vor dem Bremer Landgericht (Az.: 4 O 1372/12 vom 14.02.2020). Nach Durchsicht der Beweislage gab der Richter dem Kläger Recht.

So gehöre es zu den Nebenpflichten aus dem Werkvertrag, der mit den Handwerkern geschlossen wurde, dass diese den Altbestand vor Beginn der Sanierungsarbeiten auf "Vorschäden" überprüfen müssten. Bei Erkennen des Schädlingsbefalls hätten sie den Auftraggeber darauf hinweisen müssen. Dass dieser vorher eine Frist zur Überprüfung auf Schädlingsbefall setzt, sei nicht notwendig. Da die Handwerker den Befall, nach Einschätzung des Gerichts, bei einer Sichtprüfung der freiliegenden Sparren hätten erkennen müssen, sind sie zum Schadenersatz verpflichtet. 

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