„Risikobereitschaft gehört zur modernen Altersvorsorge dazu“

Vorsorgekonzepte Berater Top News von Sebastian Wilhelm

Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Ratingagentur Assekurata, über die Eignung von (Neuer) Klassik und Indexpolicen für die Altersvorsorge, die Vorteile von Fondspolicen und das Ratinggeschäft in Krisenzeiten.

Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata rät dazu, weniger auf Garantien zu setzen.

Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata rät dazu, weniger auf Garantien zu setzen. Bild: Assekurata

procontra: Herr Heermann, Ihre kürzlich veröffentlichte „Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2020“ zeigt wieder einmal, dass die Verzinsung sowohl in der Klassik als auch in der Neuen Klassik und bei Indexpolicen eher mau ausfällt. Gehören diese Versicherungslösungen überhaupt noch in ein Altersvorsorge-Portfolio?

Lars Heermann: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Kapitalgarantien die Renditeaussichten von Altersvorsorgeprodukten schmälern. Gerade in Niedrigzinszeiten tritt dies deutlich zutage. Also scheint der Rat naheliegend, dass Kunden langfristig mit mehr Risiko sparen sollten. Allerdings gilt es dabei auch zu berücksichtigen, dass zumindest in Deutschland viele Verbraucher Risiken eher meiden. Ihnen sind vor allem die Aspekte Sicherheit und Verständlichkeit wichtig. Für eine breite Kundenansprache brauchen die Versicherer deshalb weiterhin Produkte mit Garantien, und solche Produkte lassen sich bei einer gut gemanagten Kapitalanlage und einer günstigen Kostenstruktur auch weiterhin darstellen. Versicherungsförmige Altersvorsorge besitzt zudem klare Alleinstellungsmerkmale.

Denken Sie beispielsweise beim Sparen über den Deckungsstock an den Ausgleich im Kollektiv und in der Zeit, der auch in vielen neuen Produkten weiterhin eine Rolle spielt. Oder an die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos als prägendes Merkmal einer Rentenversicherung. Aus diesen Gründen ist nachvollziehbar, wenn die Versicherer nun die Neue Klassik und Indexpolicen ins Regal stellen und Makler sie in der Kundenberatung ansprechen. Womöglich lassen sich manche Kunden aber davon überzeugen, dass es nicht unbedingt 100 Prozent Beitragsgarantie sein müssen, sondern vielleicht auch 80 Prozent reichen. Im Gegenzug winkt dann eine etwas höhere Renditechance.

Kunden sollten sich bewusst machen, dass eine Altersvorsorge nicht viel nützt, wenn bei anhaltenden Niedrigzinsen keine auskömmliche Gesamtverzinsung erzielt werden kann oder nach Inflation sogar Kapitalverluste absehbar sind.

procontra: Das heißt, Lars Heermann als Privatperson würde sich heute eher keine Indexpolicen oder klassischen Lebens- bzw. Rentenversicherungen ins Portfolio legen?

Heermann: Dies würde ich nicht an bestimmten Produktgattungen festmachen, da es in erster Linie um die grundsätzliche Risikoneigung geht. Eine gewisse Risikobereitschaft sollte aus meiner Sicht zu einer modernen Altersvorsorge heute dazugehören. Der Blick auf die Aktienkultur in Deutschland zeigt hier noch eine Menge Entwicklungspotenzial. Nur ist es andererseits so, dass man sicherheitsorientierte Kunden nicht einfach „umkrempeln“ kann. Wenn diese eine Anlage ohne Verlustrisiko bevorzugen, dann argumentieren Sie an ihnen vorbei, wenn Sie zuvorderst auf die Rendite abstellen.

In der Beratung sollte man den Kunden, gerade wenn sie noch jung sind, aber zumindest die Flexibilität erhalten, später ihre Altersvorsorge an neue Lebenssituationen und Vorlieben anzupassen.

Seite 1: Sicherheitsorientierte Kunden kann man nicht "umkrempeln"
Seite 2: Das Anlageuniversum am Fondspolicenmarkt ist vielfältig

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare