Ottonova macht Sprung bei Beitragseinnahmen

Anne Hünninghaus Digital Versicherungen

Das Münchener Insurtech schreibt drei Jahre nach seiner Gründung zwar nach wie vor Verluste, konnte seine Beitragseinnahmen aber mehr als verdoppeln. Auch angesichts der Corona-Krise fühlt man sich gut aufgestellt.

Ottonova-Gründer Roman Rittweger

Ottonova-Gründer Roman Rittweger freut sich über positive Geschäftszahlen. Bild: ottonova

Der digitale Krankenversicherer Ottonova blickt auf ein positives Geschäftsjahr 2019 zurück: Wie dem aktuellen Solvency-Bericht zu entnehmen ist, steigerten die Münchener ihrer Prämieneinnahmen auf 3,5 Millionen Euro – ein Plus von 262 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als diese noch bei 969.000 Euro lagen. Die Aufwendungen für Versicherungsfälle verdoppelten sich indes von 887.000 Euro auf 1.770.000 Euro. 

Rechnet man Beiträge und Kosten gegeneinander auf, weist das Start-up Verluste von 2.358.000 Euro aus. Für den 2017 gegründeten Versicherer, der sich noch im Aufbau befindet, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Die Zahlen liegen nach eigener Angabe im geplanten Bereich, für die Anfangsverluste stehe ein Organisationsfonds von 8.000.000 Euro bereit. Eine Beitragsrückerstattung hat es im vergangenen Geschäftsjahr nicht gegeben.

Über die Kundenzahl gibt das Insurtech allerdings nach wie vor keine Informationen preis. Ottonova hatte im vergangenen Jahr sein Produktangebot um neue Tarife der Voll- und Zusatzversicherung erweitert. Auch in puncto Vertrieb hat der Versicherer neue Wege eingeschlagen und bietet seine Produkte seit dem vergangenen Jahr nicht mehr ausschließlich direkt, sondern auch über Makler an. Seit Kurzem besteht zudem eine Kooperation mit dem Bonussystem Payback.

Nur ein kleiner Dämpfer durch Corona?

Auch einen vorsichtigen Blick in die Zukunft wagt das Insurtech in seinem Bericht. Nach einer ersten Selbsteinschätzung könnte die Solvabilitätsquote aufgrund der Corona-Pandemie von 646 Prozent (Stand Dezember 2019) um etwa elf Prozentpunkte auf 635 Prozent sinken. Das wäre ein – angesichts des Ausmaßes der Krise – erstaunlich glimpflicher Ausgang. „Die geringe Veränderung resultiert aus einem großen Cash-Bestand und einem noch kleinen Aktienbestand“, so die Erklärung im Bericht. Der große Cash-Bestand sichere in dieser Situation die Liquidität und garantiere, den versicherungstechnischen Verpflichtungen nachkommen zu können.

Auch das Risikoprofil würde sich die Corona-Krise nicht wesentlich verändern, zeigt man sich bei Ottonova überzeugt. "Die Kunden von ottonova haben, bedingt durch die Aufnahme des Geschäftsbetriebs am 21. Juni 2017, alle erst vor kurzem eine Gesundheitsprüfung durchlaufen und sollten eine Infektion mit dem Virus gut verkraften können", heißt es diesbezüglich im Bericht. Und weiter: "Die Krankheitskosten werden voraussichtlich nicht stark ansteigen, da die leichten Verläufe einer Grippe ähneln und hier lediglich eine symptomatische Behandlung möglich ist."

Im Interview mit procontra hatte Ottonova-Chef Roman Rittweger erst kürzlich über die krisenbedingte Zurückhaltung der Kunden gesprochen, insbesondere, was den Bereich der Krankenzusatzversicherung betrifft: „Eine Absicherung von Zahnimplantaten in ferner Zukunft ist zurzeit für viele nicht so relevant, das Interesse an solchen Tarifen geht zurück. Ich vermute, es wird hier – ähnlich wie bei Kleidung oder Reisen – nach der Krise einen gewissen Nachholkonsum geben. Das ist schwierig vorherzusagen. Aber kurzfristig wird erst einmal gespart. Seit Beginn der Pandemie gilt: Wir sind nun alle erst einmal 30 Prozent ärmer als wir es vorher waren. Ich glaube dennoch, dass das ein vorübergehendes Phänomen ist.“ 

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