Nach Thomas-Cook-Pleite: Kabinett beschließt höheren Insolvenzschutz für Pauschalreisen

Florian Burghardt Versicherungen

Geht ein Pauschalreiseanbieter pleite, will die Bundesregierung Urlauber in Zukunft zu 100 Prozent abgesichert wissen. Dazu hat das Kabinett heute eine Fonds-Lösung verabschiedet. Bezahlen sollen vor allem die Veranstalter selbst.

Nach den schlechten Erfahrungen aus der Thomas Cook-Insolvenz setzt die Bundesregierung in Zukunft auf einen Entschädigungs-Fonds für Pauschalurlauber.

Nach den schlechten Erfahrungen aus der Thomas Cook-Insolvenz setzt die Bundesregierung in Zukunft auf einen Entschädigungs-Fonds für Pauschalurlauber. Bild: Pixabay

Auch wenn in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie die Urlaubsmöglichkeiten eingeschränkt sind, steht die finanzielle Absicherung von Pauschalreisenden offenbar ziemlich weit oben auf der Tagesordnung der Bundesregierung. Denn das Bundeskabinett hat heute einen Vorschlag aus dem Justizministerium verabschiedet, wonach Reisende bei Insolvenz ihres Veranstalters zukünftig aus einem gemeinsamen Fonds entschädigt werden sollen.

„Eine Haftungsbeschränkung soll es künftig weder für Reiseanbieter noch deren Versicherer geben, damit auch riesige Schadenssummen in Zukunft abgesichert sind und nicht vom Steuerzahler übernommen werden müssen“, berichtet die dpa. Die Gesetzesreform solle demnach sogar so weit gehen, dass nur noch Unternehmen Pauschalreisen anbieten dürfen, die in den gemeinsamen Topf einzahlen.

Absicherung in drei Schichten

Konkret sollen die Veranstalter Geldbeträge zur Seite legen, deren Höhe sich an ihrer Bonität bemisst. Diese individuellen Mittel würden dann als erster Schritt im Falle einer Insolvenz herangezogen. Daneben würde, ebenfalls aus Mitteln der Reiseanbieter, ein gemeinsamer Fonds gebildet, der aber in der Aufbauphase noch durch eine staatliche Garantie abgesichert werden soll. Der Fonds solle dann die Urlauber entschädigen, sofern die individuellen Mittel des Anbieters dafür nicht ausreichen. Als weitere Sicherheit kämen außerdem noch Rückdeckungsversicherungen und gegebenenfalls Kreditzusagen hinzu.

Damit wurde in Grundsätzen eine Idee der Hamburger und Bremer Landesregierungen aufgegriffen, für die sich im März auch der Bundesrat ausgesprochen hatte. Ausschlaggebend für die Neuregelung war die Pleite des Thomas Cook-Konzerns im letzten Herbst. Die Insolvenz des Reiseanbieters hatte hierzulande über 200.000 Pauschalurlauber hart getroffen, weil ihre Ferien ins Wasser fielen. Noch größer war dann der Ärger, als sich herausstellte, dass die staatlich festgelegte Versicherungssumme bei der Zurich bei weitem nicht ausreichen würde, um allen Kunden ihre Schäden zu ersetzen.

Heftige Kritik an Steuerzahler-Haftung

Daraufhin hatte die Bundesregierung erklärt, für die Lücke von über 80 Prozent aufzukommen. Der Vorgang hatte heftige Kritik ausgelöst, da die EU ihre Mitgliedsstaaten eigentlich per Richtlinie dazu verpflichtet hatte, nationale Pauschalreiseangebote ausreichend absichern zu lassen.

Hierzulande war die Deckung aber auf 110 Millionen Euro begrenzt. Nachdem die Zurich bereits über 50 Millionen Euro für die Rückführungen von Reisenden ausgegeben hatte, blieben nur noch 17,5 Prozent der Gesamtschadensumme in Höhe von 287,4 Millionen Euro übrig. Urlauber, die bereits 1.000 Euro für ihre Reise bezahlt hatten, erhielten demnach nur 175 Euro aus der Versicherung erstattet. Mittlerweile hat der Bund ein Internetportal gestartet, über das Geschädigte ihre Ansprüche anmelden können. Medienberichten zufolge sei dies noch bis November möglich.

Wie die Neuregelung des Insolvenzschutzes im Detail aussehen soll, müsse aber noch geklärt werden. Bislang hat das Kabinett nur Eckpunkte verabschiedet. Der konkrete Gesetzesentwurf muss nach Erstellung durch das Bundesjustizministerium noch von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare