Lebensversicherungen: Branche wird sich weiter konsolidieren

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Das Geschäft mit Lebensversicherungen befindet sich angesichts der niedrigen Zinsen im Wandel – doch nicht alle Versicherer werden diesen Wandel überstehen, glaubt die Ratingagentur Assekurata. Neben Kapital- und Ertragskraft kommt es auch auf die Digitalisierung an.

Lars Heermann

Die Corona-Krise wird die Transformation in der Lebensversicherung zwar ausbremsen, jedoch nicht aufhalten, glaubt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Kölner Ratingagentur Assekurata. Bild: Assekurata

Die Transformation im Geschäft mit Lebensversicherungen wird sich weiter fortsetzen. Zwar werde diese Entwicklung durch die derzeitige Corona-Krise ausgebremst, jedoch nicht aufgehalten: So lautet das Fazit der Kölner Ratingagentur Assekurata, mit der diese ihren diesjährigen „Marktausblick Lebensversicherung“ beschloss.  

Nach wie vor bleibe das Kapitalmarktumfeld für die Versicherer sehr herausfordernd. Angesichts der hohen Staatsverschuldungen sei der Zins nicht nur „low for long“, bemühte Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata, eine gängige Redewendung, sondern gar „low for even longer“. Mit einer raschen Erhöhung des Zinsniveaus ist folglich in kommender Zeit nicht zu rechnen.  

Eine schwierige Situation, die durch den Aufbau der Zinszusatzreserve (ZZR) für die Versicherer noch herausfordernder wird – insbesondere für diejenigen, die viele Policen mit hohen Garantien in ihren Beständen haben. Insgesamt 75 Milliarden haben die Versicherer seit 2011 in den Aufbau der ZZR investiert – bei gleichbleibendem Zinsniveau dürfte bis 2028 noch einmal dieselbe Summe fällig werden, schätzt man in Köln. 

Versicherer schichten Kapitalanlage um

Um die benötigten finanziellen Mittel hierfür zu erwirtschaften, hatten viele Versicherer zuletzt ihre Portfolien umgeschichtet. Laut Assekurata sank der Anteil festverzinslicher Anlagen seit 2011 von über 90 auf nun „nur noch“ 81,3 Prozent. Zwar nehmen festverzinsliche Anlagen damit immer noch eine dominierende Position im Kapitalanlage-Mix ein, doch konnten andere Anlagen, wie beispielsweise Beteiligungen (+ 3,1 Prozent), Immobilien (+ 2,1) und Aktien (+ 1,6) in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewinnen.  

Hieran ändern auch die Corona-Krise und die mit ihr verbundenen Erschütterungen der Kapitalmärkte nur wenig. Knapp 35 Prozent der im April und Mai dieses Jahres befragten Asset Manager der Versicherer gaben an, in diesem Jahr die Aktienquote weiter ausbauen zu wollen. Bei alternativen Investments bejahten dies sogar über 50 Prozent, die Immobilienquote wollen über 40 Prozent der Befragten weiter steigern. Im Gegenzug erwägen viele Asset Manager, den Anteil an festverzinslichen Wertpapieren zu reduzieren.  

„In Anbetracht der extrem niedrigen Zinsen ist diese Anlagepolitik nachvollziehbar, zumal die Nominalzinsen seit Ausbruch der Corona-Krise noch weiter gefallen sind“, kommentierte Heermann das Umfrageergebnis.  

Auch auf Produktebene setzt sich die Transformation weiter fort, zeigt sich Assekurata überzeugt. So verzeichnete die Branche im vergangenen Jahr die stärksten Zuwächse bei Produkten der Neuen Klassik, Index- sowie Hybridpolicen. Auch fondsgebundene Lebensversicherungen konnten im Neugeschäft zuletzt zulegen – ihr Anteil erhöhte sich von 5,4 Prozent (2018) auf 6,1 Prozent (2019). Damit blieb das Wachstum jedoch hinter einigen Erwartungen zurück. „Dies zeigt, dass von den Kunden weiterhin Garantien gewünscht werden“, bemerkte Heermann.  

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