Lebensversicherung: Volle Leistung trotz reduzierter Prämie

Michael Fiedler Berater Recht & Haftung Versicherungen

Vergleiche mit Versicherern müssen nicht immer zu Ungunsten des Kunden enden. Warum ein Lebensversicherer trotz Prämienreduzierung die volle Leistung erbringen muss.

Warum ein Lebensversicherer trotz Prämienreduzierung volle Leistung erbringen musste

Ein Lebensversicherer musste trotz Prämienreduzierung volle Leistung erbringen. Bild: succo/pixabay

Versicherer nutzen Vergleiche mitunter, um Urteile zu verhindern. Betroffene stimmen dann oft zu, weil sie langwierige Rechtsstreitigkeiten und die damit verbundenen Kosten und Ungewissheiten vermeiden wollen. „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“ – dieses Sprichwort greift dann häufig. Aber nicht immer muss ein Vergleich zu Ungunsten des Versicherten enden, wie ein Fall aus Dortmund zeigt.

Was war passiert?

2002 schloss eine Frau eine Kapitallebensversicherung auf den Todes- und Erlebensfall ab. Im Versicherungsschein sicherte die Lebensversicherung eine Erlebensfallsumme in Höhe von 88.282,25 Euro und eine Todesfallsumme von 158.000 Euro bei einer monatlichen Prämie von 256,99 Euro zu.

Weil ein abzusicherndes Darlehen mittlerweile getilgt worden war, bat die Frau 2012, die Prämie auf 100 Euro pro Monat zu reduzieren. Daraufhin übersandte die Lebensversicherung einen Nachtrag zum Versicherungsschein. In diesem Nachtrag war eine Erlebensfallsumme von 90.370,25 Euro und eine Todesfallsumme von 158.000 Euro bei einem neuen Beitrag von monatlich 100 Euro bis zum Vertragsende am 30.11.2027 ausgewiesen. Diese Summen dokumentierte die Versicherung auch in den Folgejahren regelmäßig durch entsprechende Wertbestätigungen.

Im Oktober 2017 rief der Ehemann der Frau die Versicherung an und bat um Wiederaufstockung der monatlichen Prämie von 100 Euro auf 200 Euro. Dies wurde telefonisch abgelehnt. Im März 2018 erhielt die Frau eine "Ersatzpolice", in der die garantierte Erlebensfallleistung auf 62.629,27 Euro und die garantierte Leistung im Todesfall auf 60.310,11 Euro reduziert worden war. In einem Telefonat erklärte ein Mitarbeiter der Versicherung dem Ehemann, dass durch die Beitragssenkung ab 2012 auf 100 Euro pro Monat jetzt nur noch ein Anspruch auf diese reduzierten Versicherungssummen bestünde. Die Versicherten wurden erstmalig auf die geringeren Leistungen aufmerksam gemacht.

Rechtsanwalt widerspricht Versicherungsschein

Die Eheleute schalteten einen Rechtsanwalt ein. Der widersprach dem Versicherungsschein und der Wertbestätigung zum Lebensversicherungsprodukt. Gleichzeitig forderte der Anwalt die Versicherung auf, den Versicherungsschein wieder auf die alten Beträge (Erlebensfallsumme: 90.370,25 Euro; Todesfallsumme 158.000 Euro) anzupassen. Die Versicherung lehnte diese Forderung als treuwidrig und rechtsmissbräuchlich ab.
Daraufhin erhob der Rechtsanwalt der Versicherten Klage vor dem Landgericht Dortmund. Schließlich sei seinen Mandanten zu keinem Zeitpunkt schriftlich mitgeteilt worden, dass sich bei einer Reduzierung des monatlichen Beitrages auf 100 Euro die Versicherungssummen ändern würden.

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